Anonyme Hacker erpressen IZRS

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Server DownAnonyme Hacker erpressen IZRS

Die Wut beim IZRS ist gross: Unbekannte haben die Website des radikalislamischen Vereins lahmgelegt und angeblich Daten gestohlen. Nun wird der Verein erpresst.

G. Brönnimann
von
G. Brönnimann
Down: Die Website des IZRS ist nicht zu erreichen. Grund: Eine Attacke von anonymen Hackern, die angeben, sämtliche Daten gestohlen zu haben, und den IZRS nun damit erpressen.

Down: Die Website des IZRS ist nicht zu erreichen. Grund: Eine Attacke von anonymen Hackern, die angeben, sämtliche Daten gestohlen zu haben, und den IZRS nun damit erpressen.

Die Website des IZRS ist derzeit nicht erreichbar. Grund dafür ist nicht ein technischer Fehler: Wie Sprecher Abdel Azziz Qaasim Illi zu 20 Minuten sagt, sei der Grund dafür eine DDOS-Attacke, also die Überlastung des Servers durch zu viele Anfragen, sodass er nicht mehr erreichbar ist.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: 20 Minuten liegt ein Bekennerschreiben von anonymen Hackern vor. Darin schreiben die Unbekannten, sie hätten nicht bloss den Server lahmgelegt: Die Hacker hätten sich «gezwungen» gesehen, dem IZRS eine «Warnung zukommen zu lassen».

Konkret: «Wir haben heute ihre Website ... gehackt und vom Netz genommen. Alle Daten, die sich auf dem Server befunden haben, wurden von uns heruntergeladen und gesichert.»

Erpressung: Entweder öffentliche Distanzierung von Gewalt, oder alle Geheimnisse werden veröffentlicht

Die anonymen Hacker machen deutlich, dass sie es ernst meinen: Sie erpressen den IZRS. «Wir fordern Sie hiermit auf, sich Öffentlich [sic] in den Medien von jeglicher Art und Weise des Terrorismuses [sic] zu distanzieren und diesen zu verurteilen.»

Ausserdem fordern sie den IZRS auf, «jegliche Aktivitäten für den sog. Heiligen Krieg im Irak oder Syrien sofort einzustellen». Falls der IZRS diesen Forderungen nicht nachkomme, würden die Hacker «sämtliche relevanten Daten von Ihrem Server veröffentlichen». Es sei die «erste und sogleich letzte Warnung» der Erpresser.

IZRS will gegen die «Kriminellen» klagen

Sprecher Illi gibt auf Anfrage zu, dass er nicht wisse, ob Daten vom Server entwendet worden seien: «Wir können das zu diesem Zeitpunkt nicht ausschliessen.» Den Forderungen der anonymen Hacker werde man sicher nicht nachkommen: Erstens habe sich der IZRS - der in letzter Zeit wiederholt in die Schlagzeilen geraten war, unter anderem weil er den heiligen Krieg glorifizierte - «mehrfach von Gewalt und Terrorismus distanziert». Und zweitens «lassen wir uns von Kriminellen nichts vorschreiben», sagt Illi zu 20 Minuten. Sein Verband will gegen unbekannt Klage einreichen, sagt er.

Die anonymen Hacker benutzen als «Identität» den Namen «Anonymous». Dieses lose Hackerkollektiv, ursprünglich im Umfeld des Imageboards 4Chan entstanden, steht längst nicht mehr für eine bestimmte Richtung oder Gruppierung - es ist eine Maske der Anonymität, die sich jede und jeder anziehen kann. Es gibt deshalb auch keine offizielle oder in irgendeiner Art und Weise homogene oder politisch kohärente Gruppe «Anonymous».

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