Tutti.chBetrugsmasche mit Paysafecard und Post-Mail
Eine Käuferin ist auf Tutti.ch auf einen ausgeklügelten und schwer erkennbaren Betrug hereingefallen. Nun möchte sie alle vor dieser Masche warnen.
90 Franken kostete ein Yamaha-Keyboard auf Tutti.ch – ein Schnäppchen für dieses Modell. Darum freute sich Maria* ganz besonders, als das Keyboard noch zu haben war. Sie wurde auch nicht stutzig, als anstelle der auf Tutti angegebenen Sandra eine Vanessa auf die Anfrage antwortete. «Sie schrieb ja, sie müsse zuerst zur Mutter, um das Keyboard zu holen, ich fand das nicht verdächtig», sagt Maria.
Zunächst bot Vanessa sogar an, das Keyboard direkt vorbeizubringen. Maria könne es auch abholen kommen. Darum schöpfte Maria keinen Verdacht, als die Frau plötzlich schrieb, sie werde es jetzt per Post verschicken.
Paysafecard kaufen und PIN einschicken
«Sie hatte ja eine Miele-E-Mail-Adresse und gab an, sie könne das Keyboard bei sich im Geschäft unter die Päckchen schmuggeln.» Das habe plausibel geklungen. Ausserdem habe es den Anschein erweckt, als ob die Bezahlung über die Post abgewickelt werde.
«Sie schrieb mir, ich hätte gleich ein Mail von der Post mit allen Angaben bekommen, ich müsse nur eine Paysafecard kaufen und der Anleitung im Mail folgen, dann werde mir das Paket zugeschickt», erzählt Maria. Im gefälschten Post-Mail wurde sie aufgefordert, den PIN-Code der Paysafecard zu fotografieren und einzuschicken.
150 Franken weg
Dies tat Maria gutgläubig, denn das angebliche Mail von der Post enthielt nebst echtem Logo sogar eine Paket-Nummer mit einem Link auf die Sendungsverfolgung der Schweizer Post. Maria: «Es sah alles so echt aus.»
Doch das Keyboard bekam Maria nie – und die 150 Franken auf der Paysafecard sind weg. «Die Betrüger haben so einen Aufwand getrieben, ich muss andere unbedingt warnen», findet nun Maria.
20 bis 30 Fälle pro Woche
Bei Tutti.ch kennt man das Phänomen des Paysafe-Betrugs. «Wir sind seit August dieses Jahres damit konfrontiert», sagt COO Jonathan Landau. Man habe pro Woche ca. 20 bis 30 solche Fälle und habe darum im letzten Monat automatisierte Abfragen eingeführt, um Paysafe-Betrugsfälle proaktiv abzufangen. Laut Tutti.ch ist man nicht der einzige betroffene Inserate-Dienstleister. «Ähnliche Vorfälle sind auch in anderen Ländern aufgetreten.»
Das Unternehmen rät Nutzern darum davon ab, für Ware zu bezahlen, ohne sie vorher zu besichtigen. Tutti.ch wird aber auch via E-Mail und auf der Plattform vor dieser Betrugsform warnen. Landau: «Ausserdem arbeiten wir an weiteren Features, um die Sicherheit und den Käuferschutz zu erhöhen.»
Paysafe arbeitet mit Strafverfolgungsbehörden zusammen
Auch bei der Post kennt man die Betrugsmasche bereits. «Vor den verwendeten Mail-Adressen warnen wir auf unserer Seite», sagt Sprecher Oliver Flüeler. Er macht zudem darauf aufmerksam, dass die Post keinen Service hat, bei dem man ein Paket abgeben kann und dieses dann nach Bezahlung des Betrags versandt wird. «Es gibt nur die Nachnahme, da gibt man dem Postboten das Geld bei Erhalt des Pakets.»
«Betrugsfälle ereignen sich oft dann, wenn unvorsichtig mit dem PIN-Code umgegangen wird», sagt ein Sprecher von Paysafe-Card. Man weise schon präventiv darauf hin, dass jeder PIN-Code so wertvoll sei wie Bargeld. Diese Sicherheitshinweise seien auch auf den Voucher gedruckt. Ausserdem arbeite man eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammen, um die Konsumenten vor Betrug zu schützen.
Anzeige bei der Polizei
Maria will denn auch Anzeige bei der Polizei erstatten. Hoffnungen, ihr Geld zurückzuerhalten, hat sie jedoch kaum. «Die Betrüger wohnen sicher irgendwo im Ausland und können nur schwer belangt werden.»
*Name der Redaktion bekannt
Die Schweizer Post warnt:
«Zur Zeit werden von Unbekannten Mails mit dem Absender info@post.ch / info@poste.ch / info@posta.ch / info@swisspost.ch sowie auch noreply@post.ch, info@tntswisspost.com, swiss@post.ch-privatkunden-ch.info und swiss@post-privatkunden-ch.info versendet. Der Absender dieser Mails ist gefälscht. Die Mails stammen nicht von Systemen der Post. Der Absender wurde gefälscht, um das Vertrauen der Empfänger zu erlangen.»