DNA von Bieren soll die Wahl erleichtern

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Schweizer Start-upDNA von Bieren soll die Wahl erleichtern

Schweizer Forscher untersuchen die DNA von 1000 Bieren. Dank der Daten soll mittels einer App jeder sein Lieblingsbier finden.

R. Landolt
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R. Landolt

Überforderte Menschen an der Bar, die vor lauter Biersorten kaum eine Entscheidung treffen können. Das soll der Vergangenheit angehören: Sechs Westschweizer wollen eine App entwickeln, die angeben soll, auf welches Bier man gerade Lust hat. DNA-Analysen sollen es möglich machen. Dabei wollen die Forscher aber nicht das Erbgut von Personen, sondern jenes von Bieren untersuchen.

Laut Gianpaolo Rando, Projektleiter von «BeerDeCoded», hängt der Geschmack von Bier nämlich unter anderem von seiner DNA ab, die je nach Zutaten wie Hopfen, Gerste und Hefe sowie je nach Gärprozess unterschiedlich ausfällt. Hefe beispielsweise schmecke aber nicht immer wie Hefe: «Bierbrauer benutzen weltweit aber 1000 unterschiedliche Hefesorten. Jede dieser Sorten produziert ein anderes Aroma.» Deshalb habe jedes Bier andere Gene und einen einzigartigen Geschmack.

Die DNA von 100 Biersorten identifiziert

Inzwischen haben die Forscher die DNA von 100 Biersorten aus 20 Ländern identifiziert. In drei Monaten werden sie die Resultate analysieren. Dann wollen sie einen Bier-Baum, ähnlich einem Stammbaum, erstellen. An diesem Bierbaum sollen Konsumenten ablesen können, welches Bier ihrem Lieblingsbier am ähnlichsten kommt – und welches ganz anders schmeckt. Die Biersorten werden in Kategorien eingeteilt: Die Hauptäste könnten beispielsweise eine Unterscheidung zwischen «Ale» und «Lager» machen.

Weitere Äste sollen dann etwa Unterschiede in Geschmack, Farbe oder Herkunftsland einzelner Biersorten darstellen. Je mehr Biersorten, desto dichter die Baumkrone. Die Westschweizer wollen die DNA-Daten von mindestens 1000 Biersorten veröffentlichen. Wer über die Crowdsourcing-Plattform «Kickstarter» in das Projekt investiert, kann ein Bier einsenden oder vorschlagen.

Ob es die Verbindung zwischen Geschmack und DNA tatsächlich gibt, muss aber erst noch bewiesen werden. Dafür seien Menschen, die das Bier testeten, sehr wichtig. Getestet wird mit einer App, die die Forscher in einem weiteren Schritt entwickeln wollen. «Die Vorkoster probieren ein paar Biersorten, von denen die App glaubt, dass sie ähnlich schmecken wie jene, die sie bereits kennen. Und sie werden uns sagen, ob es stimmt oder nicht.»

App zeigt, auf welches Bier man Lust hat

Natürlich möge man nicht nur eine Art von Bier und manchmal habe man mehr Lust auf ein Weizenbier als auf ein Lager, dann wieder auf ein dunkles Bier, so Rando. «Stellen Sie sich eine Person vor, die gerne wandert. Je nach Laune, Energie, Motivation und Zeit, die sie mitbringt, wird sie sich für unterschiedliche Wanderwege entscheiden. Sie nimmt eine Wanderkarte in die Hand, die ihnen die Wege aufzeigt, die bereits digitalisiert wurden.» So ähnlich funktioniere die App: «Die Wahl für ein Bier oder ein anderes trifft der Nutzer. Mit der App bieten wir lediglich ein Instrument, das ihm die Entscheidung erleichtert.»

Die App sei auch eine Möglichkeit, um neue Biersorten zu entdecken. «Viele Schweizer wollen lokales Bier trinken, aber die kleinen Brauereien sind kaum bekannt.» Und dies, obwohl es hierzulande mehr als 500 Handwerksbrauereien gebe. Unter den 100 getesten Bieren gibt es auch einige Schweizer Biere, die in der Deutschschweiz allerdings wenig bekannt sind – etwa BFM, Brasserie Du Jorat, Officina della birra oder La Nébuleuse. Laut Rando wird die Projektgruppe nächsten Sommer eine Tour durch die Deutschschweiz machen und dabei Feldanalysen mit lokalem Bier durchführen. Basel und Solothurn stehen bereits fix auf der Agenda.

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