Das sind die Opfer des Mordanschlags in Basel

Aktualisiert

Schiesserei im Café 56Das sind die Opfer des Mordanschlags in Basel

Im Café 56 im Kleinbasel wurden am Donnerstag zwei Männer erschossen und einer schwer verletzt. Nun sind Details zu den Opfern bekannt.

Qendresa Llugiqi
von
Qendresa Llugiqi
Auf diesem Foto sind die beiden Todesopfer der Schiesserei, der 28-jährige Mirjan B. (Zweiter von links) und der 39-jährige Orges S. (ganz rechts), zu sehen. Festim D. (24, ganz links) wurde verletzt. Ermal K. (Zweiter von rechts) sass am Tatabend mit seinen drei Freunden zusammen. Er wurde als Einziger nicht getroffen. Dieses Bild entstand wenige Tage vor der Schiesserei im Café 56.
Ein Bekannter von Mirjan B. sagt: «Seine Familie hat mich am Freitagmorgen angerufen. Sie alle waren schrecklich aufgelöst und haben geweint. Ihnen war bereits von anderen Personen mitgeteilt worden, dass Mirjan eines der Opfer ist, jedoch wussten sie nicht, ob er tot oder schwerverletzt ist.»
Mittlerweile konnte ein albanischer Staatsangehöriger verhaftet werden, der als Tatverdächtiger gilt. Der 41-Jährige sitzt in U-Haft, wie die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt am 12. April 2017 mitteilte. (Im Bild: Einsatzkräfte der Basler Polizei vor dem Café 56 am 9. März 2017)
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Auf diesem Foto sind die beiden Todesopfer der Schiesserei, der 28-jährige Mirjan B. (Zweiter von links) und der 39-jährige Orges S. (ganz rechts), zu sehen. Festim D. (24, ganz links) wurde verletzt. Ermal K. (Zweiter von rechts) sass am Tatabend mit seinen drei Freunden zusammen. Er wurde als Einziger nicht getroffen. Dieses Bild entstand wenige Tage vor der Schiesserei im Café 56.

zvg

Kurz nach 20 Uhr kam es am Donnerstag im Kleinbasel an der Erlenstrasse zu einer Schiesserei. Gemäss der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt betraten zwei Männer gezielt das Café 56, schossen mehrmals und verliessen das Lokal sofort.

Dabei wurden zwei albanischstämmige Männer getötet, einer erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Bei den Getöteten handelt es sich gemäss Informationen von 20 Minuten um den 28-jährigen Mirjan B.* und den 39-jährigen Orges S.*. Letzterer hat laut der Familie seinen Namen wegen einem Problem in der Heimat geändert. Zuvor hiess er Gent H.*.

Beim Schwerverletzten, der gemäss der Basler Staatsanwaltschaft ausser Lebensgefahr ist, handelt es sich um den 24-jährigen Festim D.*

Traurige Gewissheit

Ein Bekannter von Mirjan sagt: «Seine Familie hat mich am Freitagmorgen angerufen. Sie alle waren schrecklich aufgelöst und haben geweint. Ihnen war bereits von anderen Personen mitgeteilt worden, dass Mirjan eines der Opfer ist, jedoch wussten sie nicht, ob er tot oder verletzt ist.» Deshalb sei er von Italien aus sofort in die Schweiz gefahren, um weitere Informationen zu erhalten.

In Basel angekommen, seien er und sein Bruder gleich zur Polizei gegangen. «Wir wurden vernommen, gaben Details zu Mirjan bekannt und zeigten den Beamten Fotos.» Nach rund einer halben Stunde erfolgte dann die traurige Gewissheit: «Die Polizei sagte uns, dass einer der Toten Mirjan ist.» In diesem Moment sei er innerlich zusammengebrochen: «Die Familie und ich hatten bis zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung, dass Mirjan derjenige ist, der überlebt hat.»

Weiterer Überlebender sass mit ihnen am Tisch

Der Bekannte beschreibt Mirjan B. als einen jungen Mann mit einer tollen Persönlichkeit. «Er hatte einen starken Charakter, war zu allen freundlich, hilfsbereit und hätte für andere sein letztes Hemd gegeben.»

Was am Donnerstagabend im Café 56 in Kleinbasel passiert ist, weiss er nicht genau. «Ich weiss nur das, was mir ein Freund der drei, der ebenfalls mit ihnen am Tisch sass, erzählt hat», erklärt der Bekannte. So habe dieser ihm gesagt, dass sie alle friedlich zusammensassen und plötzlich zwei Personen reinkamen und sofort anfingen, zu schiessen. Der erste, der getroffen wurde, soll der 24-jährige Festim D. gewesen sein. «Dann soll Mirjan aufgestanden sein und habe nach der Waffe eines Täters greifen wollen», sagt der Bekannte. «Doch auch er und Orges wurden getroffen.»

Orges hinterlässt zwei Kinder

Wer die Täter sind und wie sie mit den Opfern in Verbindung standen, weiss der Bekannte nicht. Auch weiss er nicht, wo die Opfer in der Schweiz gelebt haben. Denn: «Alle auf dem Bild (siehe Diashow), waren als Touristen in der Schweiz. Orges kam erst vor wenigen Tagen hierher.» Auch um ihn tue es ihm schrecklich leid: «Er hinterlässt zwei Kinder, die jetzt ohne Vater aufwachsen müssen.»

Dies macht auch dem Bruder von Orges zu schaffen. «Er war ein familiärer und lieber Mensch», sagt er. «Er kümmerte sich rührend um seine Kinder, er war sehr verbunden mit ihnen.» So habe seine Tochter es nicht glauben können, dass er tot ist. «Sie sagte: ‹Mein Vater ist nicht tot, er muss mich in die Schule bringen›. Sie hing an ihrem Vater.»

Rückschaffung der Toten

Auch der Bruder von Orges kann sich nicht vorstellen, wie es zu der Schiesserei kam: «Er hat nie jemanden etwas zu Leide getan, deshalb verstehen wir alle nicht, wie so etwas passieren konnte.»

Gemäss den beiden Familienangehörigen wird nun versucht, die Toten nach Albanien zurück zu transportieren. «Ich erfahre aber erst am Montag, wann sie freigegeben werden», sagt der Bekannte von Mirjan.

Fahndung sofort eingeleitet

Die Täter wurden laut Staatsanwaltschaft noch nicht gefasst. Die Polizei fahndet nach zwei Männern, die rund 30 bis 40 Jahre alt sind. Sie sollen rund 175 cm gross sein und schwarze Haare haben. Sie trugen dunkle Kleider. Gemäss verschiedenen Hinweisen handelt es sich bei den Tätern um Osteuropäer.

Unmittelbar nach der Tat seien die Grenzen verständigt und die dort zuständigen Stellen vom Vorfall in Kenntnis gesetzt worden. Weniger als eine halbe Stunde nach den Schüssen sei die deutsche Polizei ebenfalls im Bild gewesen, so der Basler Kriminalkommissär Peter Gill.

* Namen der Redaktion bekannt.

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