NationalratswahlenDas sind die extremsten Kandidaten
Eine Auswertung zeigt, welche Kandidaten besonders links und welche besonders rechts politisieren – und wessen Ansichten am gemässigtsten sind.
Die Rechtesten
Niemand ist rechter als er: Andreas Glarner, SVP-Kandidat aus dem Kanton Aargau. Der Unternehmer ist in der Vergangenheit immer wieder durch provokante Wahlplakate aufgefallen. Aktuell wirbt er mit dem Thema Islamischer Staat um Wählerstimmen und schreckt dabei nicht davor zurück, auf Wahlplakaten mit blutigem Messer und dem Slogan «Lieber Kopf hoch als Kopf ab» zu werben. «Nun» zeigt auch eine Auswertung der Wahlplattform Vimentis: Andreas Glarner politisiert so weit am rechten Rand wie kein anderer Nationalratskandidat im Jahr 2015. Auf Platz zwei bis vier landen mit Sebastian Frehner, Nadja Pieren und Pirmin Schwander drei bisherige SVP-Nationalräte. Platz fünf geht an Erich Hess, Berner Grossrat und ehemaliger JSVP-Präsident.
Glarner freut sich über seinen Platz im Ranking. Er sei so weit rechts positioniert, weil er konsequent bürgerliche Politik mache. «Schauen Sie unser Parteiprogramm an, ich vertrete nur konsequent, was darin steht.» In die rechtsextreme Ecke will sich der SVP-Hardliner aber nicht drängen lassen. «Rechter Rand, das tönt so braun, und das bin ich nicht.» Vielmehr stehe seine Politik für eine klare Haltung gegen Masseneinwanderung, religiöse Extremisten und «Kuscheljustiz».
Zu seinen kontroversen Plakaten sagt er, dass er nur auf Probleme aufmerksam mache, die tatsächlich existierten. Um dieses Ziel zu erreichen, würde er auch noch weiter gehen: «Die Grenze ist bei mir noch nicht erreicht.»
Die Linksten
Am weitesten links steht die Baslerin Silvia Schenker, die schon für die SP im Nationalrat sitzt. Sie ist für ihre Prinzipientreue bekannt. So hat die «SonntagsZeitung» sie zur «teuersten Parlamentarierin» ernannt, weil sie viele Vorstösse lancierte, die wenig Aussicht auf Erfolg hatten. Anders als bei den rechten Kandidaten gehen die Plätze zwei bis fünf im linken Lager an eher unbekannte Politiker. Hinter Schenker folgen im Ranking Annette Lehmann (SP/BE) und Claudia Mauchle (SP/AG).
Sie sei sich bewusst, dass sie in der SP-Fraktion im Parlament eher dem linken Flügel angehöre, sagt Schenker. Auch in anderen Rankings lande sie jeweils unter den linkeren Parlamentariern. Dennoch sei sie keine verbohrte Idealistin. «Der Fragebogen deckt ja Positionen ab, und nicht tatsächliches Stimmverhalten. Wenn ich im Parlament Realpolitik mache, kann ich schon Kompromisse schliessen», sagt Schenker.
Auch die Feststellung, sie würde nur erfolglose Vorstösse lancieren, lässt die Nationalrätin nicht gelten. «Ich habe schon viele erfolgreiche Fraktionsvorstösse geschrieben.» Ausserdem gehe es oft darum, ein Thema überhaupt auf das politische Parkett zu bringen. Dafür brauche es manchmal zuerst ein paar erfolglose Vorstösse, so Schenker. In ihrem politischen Fokus stehen vor allem die Asylpolitik, die Sozialwerke und Lohngerechtigkeit.
Die Gemässigtesten
Exakt in der politischen Mitte der Links-rechts-Achse steht Beat Schmid. Der BDP-Kandidat aus dem Kanton Basel-Landschaft sagt über sich selbst, er sei lange nicht politisch aktiv geworden, weil er sich nicht in ideologische Grabenkämpfe habe verwickeln lassen wollen. In der BDP habe er aber dann eine Mittepartei gefunden, die seinem Politikverständnis entspreche. Auch drei seiner Parteikollegen schaffen es unter die Top fünf der mittigsten Kandidaten: darunter Ueli Stähli (BDP/BE) und Martin Huber (BDP/TG).
Dass nicht die klassische Mittepartei CVP, sondern die BDP den mittigsten Kandidaten stellt, führt Schmid darauf zurück, dass die CVP gesellschaftspolitisch noch etwas konservativer sei. Doch was bringt ein Politiker, der absolute Durchschnitts-Positionen vertritt, im Parlament? Anstatt auf ideologische Debatten, bei denen kein Fortschritt erzielt wird, setzt der Ingenieur auf konkrete Themen: So ist ihm eine vernünftige Energiepolitik wichtig.
Politische Erfolge erzielte er nach eigenen Angaben auch bei der Volksinitiative gegen das Monopol von Kabelnetzbetreiber interGGA in der Gemeinde Reinach, die innert einer Woche mit mehr als dreimal so viel Unterschriften wie nötig eingereicht wurde. Für die bevorstehenden Nationalratswahlen rechnet sich der BDP-Kandidat auf Listenplatz 5 trotzdem höchstens Aussenseiter-Chancen aus.
Von allen Kandidierenden haben bis jetzt etwa 70 Prozent den Fragebogen von Vimentis ausgefüllt. Im Ranking wurden Kandidaten, die auf Listen von Jungparteien stehen, nicht berücksichtigt.