ShitstormDeutsche Werber machen uns zu Katzenfressern
Den Schweizer Koch, der angeblich Hunde und Katzen anbietet, den gibt es nicht. Wer hat ihn erfunden? Alles deutet auf eine deutsche Agentur hin.
Wegen eines Videos über einen Hipster-Gourmetkoch, der seinen Gästen angeblich Katzen und Hunde serviert, hat die Schweiz nun den Salat: Weltweit hagelt es Kritik wegen der «barbarischen Tradition». Tierschutzverbände und Facebook-Gruppen fordern unser Land auf, dem Gräuel sofort ein Ende zu bereiten. Den Koch wünscht man ins Pfefferland oder in die ewigen Jagdgründe – es gibt auch kaum verklausulierte Morddrohungen. Ein Shitstorm.
Gut immerhin, dass weder Koch noch Restaurant existieren: Es handelt sich um eine Viral-Kampagne – wofür genau, ist allerdings noch unklar. Sicher ist auch: Diese Suppe haben wir uns nicht selbst eingebrockt. Die Spur führt nach Deutschland.
Indizien und eindeutige Beweise
Die Macher der Kampagne haben ganze Arbeit geleistet: Das Video ist eine teure Profi-Produktion, der Schauspieler spricht Französisch, Schweizerdeutsch und Englisch (er arbeitet in der Filmbranche und bestreitet auf Anfrage, im Video vorzukommen, obwohl er keinen Zwillingsbruder hat), die dazugehörigen Web-Auftritte sind anonym in den USA registriert.
Doch Indizien machen stutzig. «Mostbröckli vom Hund», «Büsirücken», «Gulasch vom Sennenhund» – das kauft man eiem Schweizer Katzen-Koch noch ab. Aber «Schweinelendchen»? «Puten-Spiesse Saté»? «Serviettenknödel»? «Petersilie»? «Eis»? Und dann das ß auf der Website statt des schweizerischen Doppel-S – auffällig. Die «Schweizer Grossmutter» des Möchtegern-Kochs war hier jedenfalls kaum am Werk.
Den endgültigen Beweis für eine Kampagne von deutschen Werbern liefert dann das Reservations-System: Wer im «La Table Suisse» einen Tisch reservierte, erhielt gestern eine automatische Antwort per E-Mail:
Vielen Dank für Dein Interesse an unserem Restaurant La Table Suisse. Leider erreichen uns momentan, zusätzlich zu unserer täglichen Arbeit, sehr viele Anfragen. Wir werden uns jedoch bemühen, uns schnellstmöglich bei Dir zu melden.
Moritz Brunner
Chef, La Table Suisse
Im Mail-Header verraten sich die Urheber dann endgültig (siehe auch Bildstrecke): Die Mails werden über den Server der Werbeagentur Scholz & Friends verschickt – über den Sitz in Deutschland. Die Website wird in Berlin gehostet. 20 Minuten hat das Unternehmen angefragt. Dort heisst es, man möchte die Katze noch nicht aus dem Sack lassen.