FDP legt Frauen-Sekretärin an kurze Leine

Aktualisiert

Knatsch in der FDPFDP legt Frauen-Sekretärin an kurze Leine

Die FDP hat der Frauen-Generalsekretärin Claudine Esseiva einen Maulkorb verpasst. Während die Parteispitze schweigt, stellt sich Ständerätin Christine Egerszegi hinter das Enfant terrible der Freisinnigen.

D. Pomper
von
D. Pomper
Generalsekretärin der FDP-Frauen Claudine Esseiva sorgt für Wirbel.

Generalsekretärin der FDP-Frauen Claudine Esseiva sorgt für Wirbel.

Nicht nur einmal haben sich die FDP-Frauen politisch gegen die Mutterpartei gestellt. Nun kommt die Generalsekretärin Claudine Esseiva für den eigenwilligen Kurs an die Kasse. Die FDP hat ihr kurzerhand einen Maulkorb verpasst, wie «Le Matin» berichtet. Ausserdem soll Esseiva laut dem «Sonntag» zur einfachen Sekretärin degradiert werden. Offiziell aus Spargründen. Doch hinter vorgehaltener Hand kritisiert man ihr «unmögliches Verhalten» und ärgert sich über den medialen Wirbel, den sie verursachte.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Ja-Parole zum Familienartikel und die Kritik an der ablehnenden Haltung der Mutterpartei. Davor hatten die FDP-Frauen offensiv für eine Geschlechterquote beim Staat geworben. 2012 war Esseiva an der Spitze der Kampagne gegen die Initiative «Abtreibung ist Privatsache». Und unvergessen ist auch die Kampagne, in der Esseiva mit nacktem Oberkörper für mehr Frauen in der Chefetage warb.

FDP-Präsident schweigt

Warum man Esseiva jetzt ein Redeverbot erteilt hat, ist von FDP-Präsident Philipp Müller nicht zu erfahren. «Kein Kommentar», heisst es. Vizepräsident Christian Lüscher gibt sich kurz angebunden: «Es gibt ein internes Regelement, in dem bestimmt ist, wer das Recht hat, im Namen der Partei zu kommunizieren.» «Kein Kommentar», sagt auch Esseiva selbst und verweist auf die Präsidentin der FDP-Frauen, Carmen Walker Späh. Walker Späh sagt nur: «Die Geschäftsleitung der FDP-Frauen Schweiz steht geschlossen hinter der Generalsekretärin.»

Und dafür werden sie kämpfen. Bereits haben Esseiva und Walker-Späh FDP-Ständerätin Christine Egerszegi um ein Treffen gebeten. Deren Unterstützung haben sie gewiss: «Ich bin klar auf der Seite der FDP-Frauen.» Den verpassten Maulkorb hält Egerszegi «gerade von einer liberalen Partei für ein Armutszeugnis». Man spüre, dass die FDP vom politischen Erfolg der Frauen eingeschüchtert sei und ihnen dieser nicht angenehm sei.

«Esseiva ist Ausdruck von FDP-internem Spannungsfeld»

«In der Tendenz sind bürgerliche Frauen linker, feministischer, ökologischer und progressiver als ihre männlichen Kollegen», sagt der Politologe Louis Perron. Der Fall Esseiva sei Ausdruck dieses Spannungsfeldes. «Die FDP-Elite ist eher konservativ und altväterlich.» Die Freiburgerin habe sehr pointiert auf Themen aufmerksam gemacht, die die FDP in den letzten Jahren verschlafen habe. «Modernisiert sich die FDP im politischen Alltag nicht bald, läuft sie Gefahr, weiter Wähler an die Grünliberalen zu verlieren.»

Für ein parteiinternes Korrektiv plädiert auch Egersezgi. Sie hofft, dass «die FDP-Männer nicht länger Vegetarier sind, wenn es Fleisch am Knochen hat – wie zuletzt beim Familienartikel.»

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