Fleischkonsum steigt - trotz Vegi-Trend

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Metzger-StatistikFleischkonsum steigt - trotz Vegi-Trend

Laut dem Fleischverband Proviande steigt der Fleischkonsum in der Schweiz - obwohl Vegetarismus im Trend liegt. Beim Vegetarier-Verband heisst es, man müsse Gemüse subventionieren.

N.Saameli
von
N.Saameli
Der Fleischkonsum hat im letzten Jahr um ein Prozent zugenommen  trotz dem Trend zum Vegetarismus.

Der Fleischkonsum hat im letzten Jahr um ein Prozent zugenommen trotz dem Trend zum Vegetarismus.

Es liegt im Trend, auf Fleisch zu verzichten. Vegane Supermarktketten eröffnen Filialen in der Schweiz, Restaurants bieten fleischlose Ernährung an und sogar eine Wohnung, die nur an Vegetarier vermietet wird, ist ausgeschrieben. 5799 Berichte enthielten in den letzten zehn Jahren laut der Schweizerischen Mediendatenbank SMD den Begriff Vegetarier - im vorangehenden Jahrzehnt war es weniger als die Hälfte davon.

Eine Auswirkung auf den Fleischkonsum hat dieser Trend dennoch nicht: Laut einer Statistik des Fleischverbands Proviande wurden 2013 pro Kopf 61 Kilo Fleisch im Jahr gegessen: ein Kilo mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr soll die Zahl laut einer vorläufigen Schätzung sogar wieder um ein Prozent steigen.

«Je nach Umfrage beträgt der Vegetarier-Anteil zwischen drei und fünf Prozent. Laut unseren Statistiken lässt sich also kein Trend zu weniger Fleisch feststellen», sagt Mike Schneider, der Leiter Statistik von Proviande. Er beurteile den Trend aus diesem Grund eher als oberflächlich.

Vegi-Verband zweifelt Statistiken an

Anders sieht dies Renato Pichler, der Präsident der Schweizer Vegetarier-Vereinigung Swissveg. Er hält die Statistik von Proviande nur für «bedingt brauchbar» und sagt: «Fleischverkäufer senken die Preise, um ihre Verkäufe hoch zu halten.» Damit sei es ein Leichtes, den Markt zu manipulieren, obwohl die Zahl der Vegetarier stetig zunehme. «Die tiefen Preise sprechen vor allem Personen an, die sonst nicht jeden Tag Fleisch essen.»

Besonders störe ihn, dass das Schweizer Fleisch durch Subventionen staatlich mitfinanziert werde. «Hier werden Tierquälerei und ökologische Probleme von unseren Steuern bezahlt», sagt er. «Wenn man statt der Fleisch- und Milchproduzenten verstärkt die Gemüsebauern fördern würde, könnte sich der Fleischmarkt auf ein normales Niveau einpendeln.»

Änderungen auf dem Fleischmarkt

Während der gesamte Fleischkonsum sich wenig verändert, finden unter den einzelnen Sorten Änderungen statt: Schweinefleisch erlebt seit längerem einen deutlichen Rückgang, Geflügel und Fisch sind dafür so beliebt wie nie. Mike Schneider sieht die Ursache dafür in einem Imageproblem des Schweinefleischs: «Schwein gilt bei manchen Konsumenten fälschlicherweise als ungesund - Geflügel und Fisch dagegen werden als besonders fettarm und leicht wahrgenommen.»

Ein weiterer Punkt sei der Trend zum schnellen Kochen. «Früher sind die Grossmamis noch tagelang in der Küche gestanden und haben Siedfleisch zubereitet. Heute geht man eher dazu über, schnell angebratenes Fleisch zu essen.»

Nachhaltigkeit im Trend

Ähnliche Erfahrungen macht man bei Coop. Sprecher Urs Meier sagt: «Im Moment spüren wir eine Verlagerung von klassischen Sorten wie Schweinefleisch zu Poulet oder Fisch.» Festzustellen sei auch, dass die Schweizer mehr Wert auf Qualität beim Fleisch legen würden. «Unsere Kunden interessieren sich vermehrt für nachhaltig produziertes Fleisch und Regionalität. Das freut uns und wirkt sich natürlich auch auf unser Sortiment aus.»

An einer Stelle spürt man den Vegetarismus-Trend laut Meier dann doch noch: Karma, die vegetarische Linie von Coop, sei ein grosser Publikumserfolg. «Diese Produkte werden aber auch häufig von Personen gegessen, die nicht konsequent vegetarisch leben.»

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