AnflugschneiseGreenpeace provoziert mit AKW-Wegweiser
Ein riesiger Wegweiser zeigt auf einem Feld am Flughafen Zürich Richtung AKW Beznau. Schreckt es ausländische Touristen ab?
Passagiere, die ab Dienstag Zürich anfliegen, dürften wohl etwas länger als üblich aus dem Fenster schauen. Auf einem Feld am Flughafen Zürich prangt während zweier Wochen ein riesiger Wegweiser mit dem Text «World's oldest nuclear reactor, 22 km» («Der älteste Nuklear-Reaktor der Welt») und der Botschaft «Welcome to Switzerland» («Willkommen in der Schweiz»). Das Feld ist 100 Meter lang. Die Aktion erinnert an die «Grand Tour»-Kampagne von Schweiz Tourismus, die darauf abzielt, Leute auch auf unbekannte Orte in der Schweiz aufmerksam zu machen.
Hinter der Aktion steckt Greenpeace: «Viele Touristen, aber auch Schweizer dürften erstaunt sein, dass ausgerechnet in der Schweiz der älteste kommerziell betriebene Nuklear-Reaktor steht», sagt Kampagnenleiter Christian Engeli. Der Druckbehälter des AKW Beznau weist fast 1000 Schwachstellen auf, wie ein Bericht des Eidgenössischen Nuklearinspektorats (Ensi) gezeigt hat. Zwar steht das AKW seit einem Jahr still, doch diesen Sommer will das Ensi entscheiden, ob man es wieder in Betrieb nimmt. «Es darf nicht sein, dass unsere Energieversorgung von so alten Reaktoren abhängt», sagt Engeli. Würde Radioaktivität austreten, würden auch die an die Bevölkerung verteilten Jodtabletten nichts nützen.
Für die Aktion stehen acht Greenpeace-Aktivisten im Einsatz. Mithilfe von GPS laufen sie die Buchstaben ab und streuen das mit Lebensmittelfarbe eingefärbte Stroh. Das Feld wurde von Thomas Stutz der Firma Greenworks zur Verfügung gestellt,der gemeinsam mit Bauern in der Region Feldwerbungen organisiert. Davon Gebrauch machten in der Vergangenheit etwa Victorinox oder Microsoft. Die Kosten für solche Werbung bewegt sich zwischen 5000 und 50'000 Franken. Greenpeace hat die Aktion «mehrere Tausend Franken» gekostet.
Bergparadies oder AKW-Hölle?
Doch ob dieses Geld gut investiert ist, bezweifelt Urs Wagenseil, Tourismusexperte der Hochschule Luzern. Erstens sei der Zeitpunkt schlecht gewählt: «Zurzeit reisen kaum Touristen in die Schweiz, sondern vor allem Businessleute.» Diese würden das Wegschild zur Kenntnis nehmen, aber spätestens nach der Landung einige Sekunden später wieder vergessen.
Zweitens sei das Image der Schweiz als hoch technologisiertes Land und Bergparadies dank der intensiven PR-Arbeit der letzten Jahre fest in den Köpfen der meisten Ausländer verankert. «Die Touristen werden die Schweiz wegen dieser Feldwerbung nicht plötzlich als AKW-Hölle wahrnehmen», sagt Wagenseil. Das Tourismusland Schweiz werde keinen Schaden nehmen. Schweiz Tourismus wollte zur «politischen Aktion» von Greenpeace keine Stellung nehmen.
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