IZRS wirbt an Schulen mit Jihad-Hotline

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Gegen RadikalisierungIZRS wirbt an Schulen mit Jihad-Hotline

Der Islamische Zentralrat hat eine eigene Hotline eingerichtet – und will damit Schulen beraten. Das sorgt für Kritik.

R. Neumann
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R. Neumann
Dieser Flyer ging laut IZRS an alle Schulen der Unter- und Mittelstufe in der Deutschschweiz.
Die einzige Erwähnung des IZRS findet sich in der Rubrik «Unser Beitrag».
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Dieser Flyer ging laut IZRS an alle Schulen der Unter- und Mittelstufe in der Deutschschweiz.

Gerade hat der Nationalrat die Schaffung einer nationalen Jihad-Hotline abgelehnt. Dabei existiert bereits eine Hotline – betrieben vom Islamischen Zentralrat (IZRS) Schweiz. Kürzlich flatterte vielen Schweizer Schulen ein Flyer ins Haus. Inhalt: Hilfestellung bei Fragen zu Radikalisierung und deren Erkennung. In der Broschüre heisst es: «Die Prävention des Einzelfalls ist uns ein ernsthaftes Anliegen.»

Eine Lehrerin einer Zürcher Oberstufe sagt: «Auf die Broschüre wurde in einer Lehrersitzung verwiesen. Da sie sehr offiziell aufgemacht ist, dachte ich, dies sei ein offizielles Projekt mit entsprechender Absegnung durch den Kanton.» Dass der IZRS dahintersteht, hatte die Lehrerin überlesen. Laut IZRS ging die Broschüre an alle Unter- und Mittelstufen in der Deutschschweiz.

Warnung an die Schulen

Als die Berner Erziehungsdirektion Wind davon bekam, reagierte sie. Abteilungsleiterin Susanne Müller: «Wir haben danach unsere Schulinspektoren darüber informiert, dass diese Broschüre von der Erziehungsdirektion nicht abgesegnet wurde.» Auch in der Stadt Zürich wurden alle Schulen angewiesen, sich in dieser Thematik an die interne Fachstelle zu wenden und nicht an den IZRS.

Auch der Winterthurer Stadtrat und Vorsteher des Departements Schule und Sport, Stefan Fritschi, sagt erstaunt: «Durch das Design des Flyers ist nicht sofort ersichtlich, wer dahintersteckt.» Er werde die Winterthurer Schulen informieren, dass der IZRS diese Hotline betreibt.

Wertkonservativer Islam

Ferah Ulucay, Generalsekretärin des IZRS, erklärt: «Die Hotline verfolgt das Ziel, bei der Unterscheidung zwischen religiös-normativer Glaubenspraxis und Gewaltextremismus zu helfen.» Als Beispiel führt Ulucay das Beispiel eines Mädchens an, dass sich für das Tragen eines Hijabs und fünfmaliges Beten am Tag entscheidet. «Das macht sie noch lange nicht zur Extremistin.» Solche Phänomene wollten die Beraterinnen an der Hotline einordnen.

Ulucay sagt, die Hotline vertrete einen «normativen Islam», einen Islam, der sich am Koran und der Sunna des Propheten Mohammed orientiere. «Bei allen Projekten des IZRS kommt ein Wertekonservativismus zum Tragen.» Die Hotline werde wenig genutzt, bisher habe man drei Anrufe erhalten – zwei Anfragen davon hätten das Tragen des Kopftuchs zum Thema gehabt. Dass die Departemente ihre Schulen gewarnt hätten, hält sie für eine «kontraproduktive Verweigerungshaltung».

«Es ist verheerend»

Samuel Althof von der Fachstelle Extremismus- und Gewaltprävention hat ein ausführliches Gespräch mit der Leiterin der Hotline geführt. Er habe den Eindruck, das Angebot sei wirklich nur dazu da, Missverständnisse bei Glaubensfragen auszuräumen und eine Unterscheidung zwischen einer konservativen Auslegung des Islams und Extremismus zu machen. Althof: «Würde es bei einem Fall tatsächlich um Gewaltextremismus gehen, würde die Leiterin den Fall sofort abgeben, hat sie mir versichert.»

Kritischer sieht Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, das Angebot an. «Es ist verheerend, wenn eine solche Hotline von Salafisten betrieben wird.» Deren Ziel sei es, sich als Anwalt der Muslime zu präsentieren und sich als zentrale Anlaufstelle für alle Muslime zu etablieren. Dass der IZRS mit seinem Namen nicht prominenter auf dem Flyer auftrete, spreche für sich. «Ihre Methode ist Verschleierung und Täuschung.»

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