Löwen, Füchse und Affen sind gefragte Haustiere

Aktualisiert

Hohe AnforderungenLöwen, Füchse und Affen sind gefragte Haustiere

Bei Tierschutzorganisationen und Zoos melden sich Menschen, die wilde Tiere zu Hause halten wollen. Dahinter steckt meist Ahnungslosigkeit.

B. Zanni
von
B. Zanni
Ein Löwe so zahm wie ein Kätzchen: Schauspielerin Melanie Griffith lebte als Kind mit einem Löwen zusammen. Die Familie soll unverletzt geblieben sein.
Löwe Neil wohnte in den 1970er-Jahren bei der Familie von Hollywoodstar Tippi Hedren. Auf diese Weise wollte sie sich optimal auf den Film «Roar – die Löwen sind los» ihres Gatten Noel Marshall vorbereiten.
Neil soll es geliebt haben, in Griffiths Bett zu schlafen. Tippi Hedren sagt heute jedoch: «Ich muss sagen, wir waren unglaublich dumm. Wir hätten niemals so ein Risiko eingehen dürfen.»
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Ein Löwe so zahm wie ein Kätzchen: Schauspielerin Melanie Griffith lebte als Kind mit einem Löwen zusammen. Die Familie soll unverletzt geblieben sein.

Michael Rougier

Ein Löwe frisst täglich bis zu zehn Kilo Fleisch. Brüllt er, hört ihn nicht nur die ganze Nachbarschaft, sondern auch das fünf Kilometer entfernte Dorf. Die Haltung solcher Tiere trauen sich einige Schweizer daheim zu. «Schönen guten Tag. Ich möchte ein ungewöhnliches Tier haben, ein Löwen-Baby. Allerdings weiss ich nicht, ob es legal ist und wie viel Platz es braucht.» Diese Zeilen erreichten kürzlich die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap).

Bei Netap gehen monatlich rund drei Anfragen dieser Art ein. Präsidentin Esther Geisser: «Meist wollen sich die Interessenten einen Löwen oder Fuchs für zu Hause anschaffen und erfahren, was sie dafür tun müssen.» Manchmal meldeten sich auch Grossgrundbesitzer. «Ein Herr wollte wissen, wie er am besten zu einer Zebraherde kommt.»

Sehnsucht nach «unverfälschter Natur»

Sara Wehrli, Leiterin Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz STS, berichtet: «Gelegentlich interessieren sich Leute für Waschbären, Totenkopfäffchen oder Beuteltiere wie Sugar Glider.» Auch einen Wüstenluchs habe einmal jemand aus Amerika importieren wollen. Im Zoo Zürich sind laut Kurator Robert Zingg vor allem Affen gefragt. «Die Interessenten wünschen sich wie in den Filmen ein Äffchen, das ihnen auf den Rücken klettert und überallhin mitkommt.» Und beim Veterinäramt Zürich erkundigten sich Schweizer, was es alles brauche, um ein Krokodil zu halten.

Die Verantwortlichen in den Organisationen und Zoos gehen davon aus, dass sich die Menschen der Sache nicht richtig bewusst sind. Esther Geisser: «Sie haben vielleicht einen herzigen Tierfilm gesehen oder waren im Zoo und bilden sich ein, ein wildes Tier wie eine Katze oder einen Hund halten zu können.»

Laut Sara Wehrli vom STS ist der Jöö-Effekt Auslöser. «Sie wollen ein Zoo-Tierchen zum Knuddeln.» Bei anderen Menschen spiele die Sehnsucht nach «einem Stück unverfälschter Natur in den eigenen vier Wänden» eine Rolle. «Manche wollen sich mit einem speziellen Tier aber auch einfach vom Rest abheben oder andere beeindrucken.»

Hohe Anforderungen

Auf Anfragen für Haustiere dieser Kategorien reagieren die Organisationen und Zoos ablehnend und verweisen auf die Bewilligungspflicht. Die Interessenten müssen eine kantonale Bewilligung einholen. Die Schweizer Tierschutzverordnung schreibt für die Haltung von bewilligungspflichtigen Wildtieren zum Beispiel eine Tierpflegerausbildung vor. Auch sind die Mindestanforderungen wie Gehegegrösse, -einrichtungen und Sicherheit zu erfüllen. Zudem gilt es, weitere behördliche Vorgaben wie Baubewilligungen zu berücksichtigen.

«Die Anforderungen für die Haltung von Krokodilen sind hoch, sodass es für Privatpersonen einen grossen Aufwand bedeutet, diese zu erfüllen», sagt Ruth Baumgartner, stellvertretende Kantonstierärztin beim Veterinäramt Zürich.

Internet mache Tiere einfach erhältlich

Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und Biologin, stellt fest, dass die Leute zunehmend den Weg finden, um die Bewilligungspflicht zu umgehen. Grund dafür sei das Internet, wo allerhand Tiere anonym angeboten werden und einfach erhältlich sind. «Auf Online-Inserateplattformen kann man sich alles anschaffen – vom Erdmännchen bis zum exotischen Reptil.» Das sei gefährlich. «Denn die Wildtiere haben sehr komplexe Ansprüche, was Ernährung, Unterbringung, Klima und Sozialstruktur angeht. Eine artgemässe Haltung ist für den privaten Halter meist nicht möglich.»

Auch Schlangen würden immer wieder ausgesetzt, weil Halter überfordert seien. Vier Pfoten setze sich deshalb dafür ein, dass die Online-Plattformen keine anonymen Inserenten für Tierinserate mehr zulassen. Zurzeit fänden entsprechende Gespräche statt.

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