Männer sollen Kinder hüten, Frauen Auto putzen

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«MenCare»Männer sollen Kinder hüten, Frauen Auto putzen

Männer sollen die reine Ernährerrolle ablegen, finden Väterorganisationen. Mit einem nationalen Programm wollen sie jetzt vorwärtsmachen.

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Der Männerverband männer.ch startete am Montag eine Kampagne zur Förderung der Betreuungsarbeit von Vätern - und eröffnete gleichzeitig die Fotoausstellung MenCare des schwedischen Fotografen Johan Bävman.
Heute arbeitet nur jeder zehnte Vater Teilzeit. Und auch die Betreuung von Kindern und älteren Familienangehörigen ist meist in weiblicher Hand.
Eine neue Kampagne will dies jetzt radikal ändern. Nur wenn Väter und Mütter sich Familien- und Erwerbsarbeit 50:50 teilen, könne die Schweiz den Verfassungsauftrag der «Gleichstellung in allen Lebensbereichen» umsetzen, sagt Markus Theunert, der Generalsekretär von männer.ch.
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Der Männerverband männer.ch startete am Montag eine Kampagne zur Förderung der Betreuungsarbeit von Vätern - und eröffnete gleichzeitig die Fotoausstellung MenCare des schwedischen Fotografen Johan Bävman.

Johan Bävman/mencare.swiss

Heute arbeitet nur jeder zehnte Vater Teilzeit. Männer machen laut Studien wesentlich weniger im Haushalt als Frauen. Und auch die Betreuung von Kindern und älteren Familienangehörigen ist meist in weiblicher Hand. Eine neue Kampagne will dies jetzt radikal ändern. Nur wenn Väter und Mütter sich Familien- und Erwerbsarbeit 50:50 teilen, könne die Schweiz den Verfassungsauftrag der «Gleichstellung in allen Lebensbereichen» umsetzen, sagt Markus Theunert, der Generalsekretär von männer.ch. Am Montag hat der Männerverein zusammen mit dem Schweizerischen Institut für Männer- und Geschlechterfragen in Bern ein nationales Programm zur Förderung der väterlichen Betreuungsarbeit lanciert.

Im Rahmen der weltweiten Kampagne MenCare verfolgt es das Ziel, mit Klischees aufzuräumen: Männer sollen Kinder betreuen, Fenster putzen, Angehörige pflegen oder sich in Gemeinde oder Kirche engagieren. Im Gegenzug sollen Frauen Autos waschen, Fussball-Junioren trainieren und Karriere machen. Wie Theunert schildert, sind verschiedene Teilprojekte vorgesehen, um diese Gleichberechtigung zu erreichen. So seien in Zusammenarbeit mit verschiedenen Betrieben beispielsweise Gutscheine für «Geburts-Crahskurse» geplant. Den angehenden Vätern solle vom Betrieb aus signalisiert werden, dass bei Männern nicht nur ihre Arbeitsleistung im Zentrum stehe, sondern «auch ihr väterliches Engagement während und nach der Geburt ihrer Kinder».

Vaterschaft als «Privatsache»

Das Rollenbild des Familienvaters befinde sich bereits im Wandel, so Theunert weiter. «Das Bild des Vaters als Patron und Ernährer der Familie hat ausgedient.» Die meisten Männer wollten «präsente und emotional involvierte Väter» sein. In der Praxis aber bleibe die Ernährerrolle «zentraler Pfeiler väterlicher Identität». Das Dilemma sei, dass Familie und Vaterschaft in der Schweiz «aussergewöhnlich stark als Privatsache gesehen» würden. Die Männer hätten es nun in der Hand, einen Wandel herbeizuführen.

Der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner findet es falsch, dass sich die Kampagne in familieninterne Angelegenheiten einmischen will. «Wie sich die Eltern organisieren wollen, das soll jede Familie in eigener Verantwortung entscheiden.» Schon heute werde keine Frau mehr gezwungen, alleine die Kinderbetreuung zu übernehmen. «In aller Regel wird das am Familientisch ausdiskutiert – und je nach Möglichkeiten über die Aufteilung der Erwerbs- und Betreuungsarbeit entschieden.»

Nationalrätin Yvonne Feri (AG), ehemalige Präsidentin der SP Frauen Schweiz, widerspricht. Nicht alle Männer könnten oder wollten ihr Pensum reduzieren. Ohne den Einsatz der Männerorganisationen hält sie einen weiteren Fortschritt für unmöglich. «Es braucht einen Pakt mit der Wirtschaft, damit Teilzeit arbeitende Männer zur Normalität werden.» Es brauche Teilzeitstellen, damit Männer selbstverständlich mehr Zeit in die Hausarbeit investierten und dies nicht aus Überlastung verwehrten.

Väter stark belastet

Wie Markus Theunert sagt, würden genügend Studien zeigen, dass Männer, bedingt durch die immer höhere Arbeitsbelastung, häufiger von Krankheiten oder auch Suiziden betroffen seien. «Eine gerechte Aufteilung der Erwerbs- und Fürsorgearbeit würde die Väter von einer übermässigen Belastung am Arbeitsplatz befreien – und so nicht nur den Müttern und dem Nachwuchs, sondern auch den Vätern selbst zugute kommen.»

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