Mehrheit würde Beschneidungen verbieten

Aktualisiert

Grosse UmfrageMehrheit würde Beschneidungen verbieten

Beim Volk geniesst die Knabenbeschneidung aus religiösen Gründen wenig Sympathie. Am stärksten ist der Widerstand bei den Religionslosen. Ein Zehntel der Beschnittenen bereut den Eingriff.

Lukas Mäder
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Lukas Mäder

In einer Volksabstimmung hätte die Beschneidung keine Chance, wenn es nach den Lesern von 20 Minuten Online geht. Deutliche 64% sagten Ja zu einem Verbot von religiös motivierten Beschneidungen bei Knaben und Männern. Obwohl der Eingriff im Judentum und im Islam ein zentrales Ritual ist, sehen zwei Drittel der knapp 8000 Umfrage-Teilnehmer keinen Verstoss gegen die Religionsfreiheit.

Bei den Teilnehmern gibt es jedoch grosse Unterschiede. So sprechen sich von den Frauen mit 56% deutlich weniger für ein Beschneidungsverbot aus. Ebenfalls unterdurchschnittlich stark ist die Ablehnung des religiösen Rituals bei den Stadtbewohnern mit 57%, während von den ländlichen Teilnehmern 70% das Verbot befürworten. Noch höher ist die Zustimmung für ein Verbot bei den über 60-Jährigen mit 75%. Je jünger die Teilnehmer sind, desto geringer ist der Widerstand gegen die Beschneidung.

Religionslose am stärksten für Verbot

Massiv gegen ein Beschneidungsverbot sprechen sich erwartungsgemäss die Angehörigen der beiden betroffenen Religionen, Judentum und Islam, aus. Von den Muslimen sagen 93% Nein, von den Juden 75%. Ebenfalls eine Nein-Mehrheit findet sich bei den Mitgliedern von Freikirchen. Auf der Gegenseite führen die Religionslosen das Feld der Befürworter an. Drei Viertel von ihnen sagen Ja zu einem Verbot. Offensichtlich haben sie weniger Verständnis für religiöse Riten als beispielsweise Katholiken oder Reformierte.

Von den männlichen Teilnehmern der Umfrage sind mit 27% ein gutes Viertel beschnitten. Bei fast allen Muslimen (96%) und Juden (89%) wurde der Eingriff vorgenommen. Doch auch bei den Teilnehmern, die nicht dem Islam oder dem Judentum angehören, ist der Anteil mit 20% relativ hoch. Von den beschnittenen Männern geben 12% an, sich im Nachhinein zu wünschen, der Eingriff wäre nicht vorgenommen worden.

Beschnittene sehen Religionsfreiheit verletzt

Wenig überraschend sprechen sich die beschnittenen Teilnehmer nicht für ein Verbot aus religiösen Gründen aus. Im Durchschnitt sagen 67% Nein, bei den Juden und Muslimen sind es sogar 80% beziehungsweise 94%. Eine klare Mehrheit von 60% findet bei diesen Teilnehmern zudem die Einschätzung, dass mit einem Beschneidungsverbot die Religionsfreiheit verletzt würde.

Ob die Beschneidung jenseits der religiösen Tradition Vorteile hat, ist bei den befragten Frauen umstritten. So sehen 33% keinen Vorteil. Demgegenüber stehen 50% der Teilnehmerinnen, die einen beschnittenen Penis für hygienischer halten. 17% der Frauen gaben an, nicht zu wissen, ob es Vorteile gebe.

Aufruf

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Umfrage zur Beschneidung

An der Umfrage, die 20 Minuten Online zwischen dem 20. und dem 26. Juli durchgeführt hat, nahmen 7933 Personen teil, 72% davon Männer. Von den 5729 Männern gaben 1546 an, beschnitten worden zu sein.

Von den Umfrageteilnehmer gaben 24% (1919) an, reformiert zu sein; 22% (1726) bezeichneten sich als Katholiken. Den von einem Beschneidungsverbot betroffenen Religionen Islam und Judentum zugehörig bezeichneten sich 8% (622) beziehungsweise 1,5% (118). Den grössten Anteil machten die nicht religiösen Personen aus mit 38% (3017).

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