Muslime empört über Giacobbo-Witze

Aktualisiert

«Islamophob»Muslime empört über Giacobbo-Witze

Rassismusvorwürfe gegen «Giacobbo/Müller»: Mit Witzen über Muslime suggeriere das Duo, diese seien naturgemäss gewalttätig, kritisieren verschiedene Muslim-Organisationen.

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Mike Müller und Viktor Giacobbo in ihrer Sendung: «Angenommen, du sitzt im Spacecraft und neben dir sitzt ein Moslem, also, ein bisschen nervös wirst du da natürlich.»

Mike Müller und Viktor Giacobbo in ihrer Sendung: «Angenommen, du sitzt im Spacecraft und neben dir sitzt ein Moslem, also, ein bisschen nervös wirst du da natürlich.»

Screenshot SRF

Viktor Giacobbo und Mike Müller haben sich in die Nesseln gesetzt. In ihrer Sendung vom Sonntagabend machten sie sich in einer Reihe von Witzen über Muslime lustig: Bezugnehmend auf eine arabische Religionsbehörde, die es Muslimen verbieten will, zum Mars zu fliegen, weil das einem Suizid gleichkomme, zogen die beiden richtig vom Leder. «Das ist natürlich nicht das Gleiche wie ein Suizid auf einem belebten Marktplatz», frotzelte Müller. Und Giacobbo fügte an: «Wenn du da im Spacecraft sitzt und neben dir sitzt ein Moslem, ein bisschen nervös wirst du schon.»

«Giacobbo bedient Vorurteile»

Das Publikum lachte noch etwas verhalten. Doch die beiden Satiriker legten noch einen drauf: «Das grösste Problem für den Muslim auf dem Mars ist das Ausrichten des Gebetsteppichs in Richtung Mekka.» Da zündete Giacobbo die Pointe: «Ein Vorteil für den Muslim ist dort oben, dass es genügend Steine für die Steinigungen hat.» Das Publikum lachte schallend, durchzogen mit einigen «erschrockenen» Lachern.

Für Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, haben die Satiriker mit den Witzen über das «Ziel hinaus» geschossen. «Solche Verallgemeinerungen suggerieren, dass Muslime naturgemäss gewalttätig sind und alimentieren ein leider weitverbreitetes Unbehagen.» Dies betreffe vor allem die beiden Witze, dass man «nervös» werde neben einem Muslim und der Scherz über die Steinigung auf dem Mars. Damit verstärke Giacobbo womöglich Vorurteile.

Auch die Vizepräsidentin der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) zeigt sich über das Niveau der Witze enttäuscht. «Natürlich kann jeder seine eigene Meinung haben über die verschiedenen Religionsriten, aber diese lächerlich zu machen, das geht zu weit», sagt Belkis Osman-Besler.

Zumal weder Steinigung noch Selbstmordattentate spezifische islamische Riten seien. «Ich finde es pietätlos gegenüber denen, die solches erlebt haben.» Osman-Besler sagt: «Giacobbo und Müller verallgemeinern auch sehr, indem sie jeden Moslem als potenziellen Attentäter hinstellen.»

Beschwerde bei Ombudsmann

Der Sprecher des Islamischen Zentralrats, Qaasim Illi, kündigt an, bei der Ombudsstelle der SRG Beschwerde einzureichen. «Die beiden Herren haben offensichtlich nicht den Islam als Religion kritisiert, sondern die Muslime kollektiv als dumm, rückständig und gefährlich karikiert.» Damit würden bereits bestehende Stereotypen weiter durch ein quasi offizielles Format des Schweizer Fernsehens salonfähig gemacht, sagt Illi.

Die Reaktionen innerhalb ihrer Gemeinschaft seien «scharf» gewesen. «Wir sind richtiggehend schockiert über diese markante Überschreitung der Anstandsgrenzen. Über Islamophobie können wir definitiv nicht lachen.» Und diesen Vorwurf müsse man beiden Komikern nach diesen Aussagen machen.

Von Seiten der Komiker nimmt stellvertretend Rolf Tschäppät, SRF-Bereichsleiter Comedy, Stellung: «Die Themen bei Giacobbo/Müller ergeben sich aus der Wochenaktualität. Im vorliegenden Fall war es eine Schlagzeile, wonach es den Muslimen verboten sei, zum Mars zu fliegen. Es gehört zur Satire dazu, dass solche Themen danach karikiert und bis ins Absurde geführt werden.»

Vorwürfe gegen Komiker

In den vergangenen Monaten sorgten Comedians oder Politiker mit umstrittenen Äusserungen für Aufsehen. Nach einem Comedy-Auftritt mit Witzen über Italiener gab es eine Anzeige für den Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät. Massimo Rocchi kassierte ebenfalls eine Anzeige, weil er in einer Fernsehsendung auf den «jüdischen Humor» zu sprechen kam. Und aufgrund eines Fernsehauftritts von Birgit Steinegger mit schwarz bemaltem Gesicht drohten Kulturschaffende mit einer Anzeige.

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