Pendler beklagen sich bei SBB über Burka-Plakat

Aktualisiert

Provokante Polit-WerbungPendler beklagen sich bei SBB über Burka-Plakat

Erst seit kurzem hängen die Burka-Plakate. Doch bereits jetzt laufen Pendler Sturm dagegen: Sie bitten die SBB über verschiedene Kanäle, die Plakate zu entfernen – vergeblich.

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Die Operation Libero will ebenfalls Leuchtreklame schalten. Im Bild: Die Kampagnenleiter Annina Fröhlich und Stefan Egli.
Am Montag startete das Nein-Komitee um SVP-Nationalrat Andreas Glarner seine Kampagne.
Die Operation Libero kontert die Burka-Plakate des Komitees «Gegen erleichtere Einbürgerung» mit einem Meme.
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Die Operation Libero will ebenfalls Leuchtreklame schalten. Im Bild: Die Kampagnenleiter Annina Fröhlich und Stefan Egli.

zvg

Das Burka-Plakat, mit dem ein Komitee um SVP-Nationalrat Andreas Glarner derzeit an mehreren grossen Bahnhöfen gegen die erleichterte Einbürgerung für Ausländer der dritten Generation kämpft, sorgt für Furore. Nachdem die Operation Libero dem SVP-Komitee bereits den Kampf angesagt hat, gehen jetzt auch die SBB-Kunden auf die Barrikade.

«Ich finde, das Plakat hat an einem Ort, wo sich tagtäglich tausende von Touristen aufhalten, nichts zu suchen», sagt sogar ein SBB-Mitarbeiter selbst, der anonym bleiben möchte. Es schade dem Tourismus und rücke sowohl die Schweiz als auch die SBB in ein schlechtes Licht. Er verstehe nicht, wieso seine Firma dies toleriere.

«Will sich die SBB zum Gehilfen von Hass machen?»

Auch Leserin Tina Schmitter ärgert sich. Sie hat der SBB bereits ein Mail geschrieben. Darin bittet sie das Unternehmen, die Plakate «umgehend aus den Bahnhöfen entfernen zu lassen». Die GA-Besitzerin sagt, sie fühle sich durch die Hass- und Angst-Kampagne beeinträchtigt. «Die Religionsfreiheit hat nichts mit der erleichterten Einbürgerung der dritten Generation zu tun. Das sind Menschen, die hier geboren sind, viele Italiener beispielsweise. Sie sind auf dem Arbeitsmarkt integriert und sprechen Schweizerdeutsch.»

Die Frau in der Burka stelle eine Bedrohung dar, die es nicht gebe – schon gar nicht in diesem Zusammenhang. Die Kampagne verbreite falsche Informationen und wecke Ängste, sagt Schmitter. Sie appelliert an die SBB: «Eine klare Haltung Ihrerseits ist hier mehr denn je gefragt.» Es gehe auch um die Mitarbeiter und Kunden. «Will sich die SBB zum Gehilfen von Hass und Hetzerei machen?»

«Ich fühle mich diskriminiert»

Auf Facebook existiert bereits die Seite «So nicht, SBB!». Sie zählt über 600 Mitglieder. Viele davon richten sich in ihren Beiträgen direkt an die SBB: «Ich bitte Sie dringend, die hochgradig unsachlichen, in einem volksverhetzenden Stil gestalteten Abstimmungsplakate der SVP wieder zu entfernen», schreibt Nutzerin Karin Seiler. Die Kampagne verletze ihre Gefühle, weil sie als Stimmbürgerin offensichtlich für dumm verkauft werde.

Ewa Bodfanowicz fordert sogar vom SBB-Chef höchstpersönlich Massnahmen: «Sehr geehrter Herr Andreas Meyer, ich bitte Sie höflichst, die Plakate ‹Ungehindert einbürgern› der SVP sofort aus den Bahnhöfen entfernen zu lassen. Ich als Ihre Kundin mit Migrationshintergrund fühle mich von diesen Plakaten diskriminiert.»

SBB hat keine Handhabe

Auch Nutzerin Cécile Maurer hinterfragt das Verhalten der SBB: «Wie kommt es, dass die SBB ein Plakat der SVP erlaubt, das Angst schürt, mit Stereotypen spielt und klar rassistischen Symbolcharakter hat, aber das Plakat ‹Nein zur Durchsetzungsinitiative› nicht an ihren Bahnhöfen erlaubte?» Eine Doppelmoral, die so nicht akzeptiert werden dürfe. «Politische Werbung entweder für alle oder für niemanden.»

Bei der SBB sind «wenige Dutzend» Kundenreaktionen zum Burka-Plakat eingegangen, wie Sprecher Reto Schärli auf Anfrage mitteilt. Die Zahl sei vergleichbar mit jener bei anderen Abstimmungsplakaten, wie etwa beim Schäfchensujet, das ebenfalls von der SVP stammte. Die SBB hat jedoch keine Handhabe. Schärli: «Wir sind politisch neutral und müssen seit einem entsprechenden Bundesgerichtsurteil politische Werbung in Bahnhöfen und Zügen zulassen.»

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