«Jenny-Wanessa»SRF-Kunstfigur verärgert Transgender-Gemeinde
SRF-Blondine Jenny-Wanessa will berühmt werden – um jeden Preis. «Und dies auf unsere Kosten», sagt ein empörter Transgender-Aktivist.
Dank Katzenvideos oder mithilfe eines Porno-Castings will eine grossbusige Blondine mit Männerstimme das Netz erobern. Wie das gehen soll, zeigt die neue SRF-Figur Jenny-Wanessa in einer Web-Serie. «Wir haben eine möglichst überspitze Kunstfigur ins Leben gerufen, die die heutige Klick-Geilheit humorvoll und satirisch wiederspiegelt», sagt Stefano Semeria, der Bereichsleiter für die junge Zielgruppe.
Doch Alecs Recher von Transgender Network Switzerland (TGNS) ist beim Betrachten der Clips überhaupt nicht zum Lachen zumute. Dass für die Figur eine Art Transfrau gewählt worden ist, sei kein Zufall. «Hier soll Quote auf Kosten einer ohnehin schon benachteiligten Minderheit gemacht werden.» Die Sendung «Jenny-Wanessa» sei für Transmenschen verletzend und auch sexistisch. «Dass SRF als öffentlicher Sender mit plumpen Klischees erneut für Lacher sorgen will, ist verantwortungslos» so Recher.
Erst kürzlich gab's Rüge für Giacobbo und Müller
So gibt es gleich weitere Rüge für den Staatssender: «Es ist nicht das erste Mal, dass SRF Transphobie schürt», so Recher. Erst letzten Sommer hagelte es etwa für Giacobbo und Müller heftige Kritik, weil sie über die «Toilettenbesuche von Transen» Witze rissen.
Die Vielschichtigkeit der Sendung
Die aktuellen Vorwürfe weist SRF zurück: Mit der Sendung «Jenny-Wanessa» habe man nicht auf Transsexualität angespielt. Die Idee der Kunsfigur – «die äusserst selbstbwuste Jenny-Wanessa»– sei als Konzept aus einem internen Ideenwettbewerb bei SRF entstanden. «Jenny-Wanessa soll bewusst etwas sehr Künstliches darstellen», sagt Semeria.
Viele positive Rückmeldungen würden zudem zeigen, dass die Aussagen der Protagonistin verstanden werden. «Wer die Vielschichtigkeit der Sendung versteht, merkt, dass Jenny-Wanessa sehr sympathisch ist.»
Billag-Gegnerin Rickli ebenfalls empört
Doch die satirische Sendung ruft auch weitere Kritiker auf den Plan. An SRF-Direktor Roger de Weck gerichtet fragt Billag-Gegnerin Natalie Rickli (SVP) auf Facebook: «‹Jenny-Wanessa› ist nun ernsthaft Ihre Vorstellung von Service public...?»