Sind Winzer schuld an Bienensterben?

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Pestizide in ChurSind Winzer schuld an Bienensterben?

Dicke Luft in Chur: Die rund 60'000 Honigbienen im Dach des Stadthauses sind tot. Der Imker glaubt, die Pestizide der Weinbauern seien dafür mitverantwortlich.

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Tote Bienen in einer Imkerei in Freiburg.

Tote Bienen in einer Imkerei in Freiburg.

Drei von vier Bienenvölkern haben den Herbst nicht überlebt: Rund 60'000 Bienen aus dem Churer Dachstock sind verendet, wie «Die Südostschweiz» berichtet. Über die Gründe des Bienensterbens herrscht Streit zwischen dem Imker und den Winzern. Kantonstierarzt Rolf Hanimann hielt bei seiner Untersuchung fest, dass die Varroa-Milbe und die Faulbrut das Bienensterben verursacht hätten, schrieb die Zeitung am Mittwoch.

Diesen Befund bestreitet Projektleiter und Imker Urs Nutt laut «Südostschweiz» nicht – doch er ist überzeugt, dass das nicht die einzigen Gründe für das Ableben seiner Honigbienen seien. Die gegen die Kirschessigfliege, welche die Weintraubenernte bedrohte, eingesetzten Pestizide hätten seine Bienen zusätzlich geschwächt und anfällig für Krankheiten und Schädlinge gemacht.

Gesetzliche Fristen für Pestizide nicht eingehalten?

Die Vorwürfe des Imkers wiegen schwer: In der «Südostschweiz» sagt Nutt, man habe beobachten können, dass die schädlichen Spritzmittel um 10 Uhr morgens in den Reben gespritzt worden seien.

Es handelte sich um Mittel, für die der Bund angesichts der Bedrohung durch die Kirschessigfliege eine Ausnahmebewilligung erteilt hatte – allerdings unter strengen Auflagen: Nur am Abend und ganz früh am Morgen durfte gespritzt werden. Die betroffenen Winzer meinen, das Wetter habe die Flugzeiten der Bienen beeinflusst, und an den fraglichen Daten habe man ein Spritzmittel mit anderer Zusammensetzung benutzt.

Kantonstierarzt Hanimann fand im Labor keinerlei Anzeichen auf eine Vergiftung der verendeten Bienen. Das gibt auch Imker Nutt zu – doch er meint, die Giftpartikel können nicht lange nachgewiesen werden. Der «Südostschweiz» sagt er, er sei sicher, dass «ein gewisser Zusammenhang» zwischen dem Tod seiner Völker und dem Pestizideinsatz in den Rebbergen bestehe. Schliesslich seien die Trauben im Herbst eine der einzigen Nektarquellen für die Tiere.

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