Anti-SVP-InseratStudent will Titelseite von 20 Minuten kaufen
Donat Kaufmann (26) regte sich über ein zweiseitiges Inserat der SVP vergangene Woche in 20 Minuten auf. Nun hat er ein Gegenprojekt gestartet.
Mit diesem Video sucht Donat Kaufmann nach Unterstützern für seine Aktion.
«Mir langets»: Der 26-jährige Donat Kaufmann wendet sich per Video auf der Crowdfunding-Plattform Wemakeit an die Schweizer Bevölkerung: «Eine Partei kauft sich die Titelseite von 20 Minuten, nicht um politischen Inhalt zu vermitteln, sondern um Werbung zu machen für einen Song.»
Dass eine Partei so viel Geld hat und eine andere nicht, könne man ihr nicht zum Vorwurf machen. Aber sie verwandle «den Wahlkampf in einen grossen Zirkus und verhindert, dass auch nur im Ansatz sachlich über gewisse Themen diskutiert werden kann.» Und sie habe nicht einmal den Mumm, sich hinzustellen und offenzulegen, wer das Ganze finanziere.
Bereits über 14'000 Franken gespendet
Seine Idee: Er will nun genug Leute finden, die bis zum 14. Oktober fünf Franken spenden, sodass 138'000 Franken zusammenkommen, mit denen die 20-Minuten-Titelseite belegt werden kann. «Aufmerksamkeit kann man kaufen – unsere Stimmen nicht», soll es darauf heissen – und die Namen aller Unterstützer sollen gedruckt werden.
Zu 20 Minuten sagt Kaufmann: «Ich weiss, dass das sehr ambitioniert ist, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass genug Leute mitmachen.» Als er die Titelseite mit dem SVP-Inserat gesehen habe, habe dies für ihn «ein neues Kapitel» aufgeschlagen.
Die Idee, ein Gegeninserat zu schalten, sei aus dem Bauch heraus entstanden. Am Dienstagabend um 19 Uhr veröffentlichte er die Aktion auf Wemakeit – und die Idee schlug ein wie eine Bombe: Am Mittwochmittag (Stand: 13.30 Uhr) hatten bereits 1400 Menschen ihre Unterstützung zugesichert und über 14'000 Franken gespendet. Kaufmann wird von Reaktionen überhäuft – darunter sind auch beleidigende. «Ich bin keine öffentliche Person, aber damit muss ich einfach umzugehen lernen.»
Kritik an der Aktion
Dabei gabs auch prominente Unterstützung: Der Berner Musiker Knackeboul schreibt auf Facebook: «Das ist die geilste, schönste und vielversprechendste Idee, die ich seit langem gesehen habe.» Sein Eintrag wurde über 200-mal geteilt.
Nicht alle sind Knackebouls Meinung: Der Luzerner SP-Grossstadtrat Mario Stübi schreibt: «Ich bin keineswegs bereit, die 20-Minuten-Besitzerin Tamedia aufgrund der Überfinanzierung dieser SVP gleichsam mit Kohle zu beliefern für ihre Frontseite (…).» Kaufmann sagt: «Diese Kritik lasse ich gelten und teile sie ein Stück weit auch. Aber wer so argumentiert, sollte dann auch konsequent sein und aufhören, Produkte von anderen grossen Konzernen wie Nestlé oder Coca-Cola zu konsumieren.»
Auch wenn er das Ziel nicht erreicht, will Kaufmann die Diskussion über das Vermitteln politischer Inhalte und Parteienfinanzierung anregen. «Und das ist mir offenbar schon jetzt gelungen.»