Wetter spielt verrücktTropennacht, Föhnsturm und Waldbrände
Die Schweiz hat eine heisse Nacht hinter sich: Heftige Winde haben Stromleitungen beschädigt und so mehrere Waldbrände ausgelöst, Bahnlinien sind unterbrochen. Die Temperaturen blieben verbreitet über 20 Grad.
Ungewöhnlich früh hat die Schweiz ihre erste Tropennacht erlebt. Vielerorts blieb die Quecksilbersäule während der Nacht bei Temperaturen von über 20 Grad stehen, wie der Wetterdienst meteonews in einer Mitteilung am Sonntagmorgen schreibt. Den Spitzenwert massen die Meteorologen in Rorschach SG mit einer «Minimal»-Temperatur von 25,2 Grad. Aber auch andernorts blieben die Temperaturen in der Nacht deutlich über 20 Grad: In Altenrhein SG wurden 24 Grad gemessen, in Glarus 23,6 Grad, in Zürich und Luzern um die 22 Grad.
Auch in der Westschweiz blieb es warm: Aus Evionnaz VS und Aigle VD wurden über 23 Grad als Tiefsttemperatur gemessen, wie der Wetterdienst weiter mitteilte. Die aktuelle Südföhnlage gehöre «mit Sicherheit zu den meteorologischen Besonderheiten der letzten Jahre», schrieben die Meteorologen. Sie rechnen mit Temperaturen am frühen Morgen von zwischen 23 und 25 Grad. Dies sei auch während einer hochsommerlichen Hitzeperiode eine Rarität und erst recht Ende April.
Sturmschäden und Waldbrände
Der starke Föhn hat neben hochsommerlichen Temperaturen nördlich der Alpen auch Schäden verursacht. Durch die heftigen Winde wurden Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt. Auch kam es zu mehreren Waldbränden.
Bereits am Samstagmittag war in einem Wald bei Plasselb im Kanton Freiburg ein Feuer ausgebrochen. Verursacht hatte den Brand ein Bauer. Er verbrannte Äste. Durch der Wind habe Feuer auf den Wald übergegriffen, teilte die Kantonspolizei am Sonntag mit.
Die im Einsatz stehenden Feuerwehren erhielten bei den Löscharbeiten Unterstützung von zwei Löschhelikoptern der Firma Air Glaciers sowie von einem weiteren Hubschrauber. Dem Brand fiel eine Waldfläche von rund einem Hektar zum Opfer.
Ebenfalls am Samstag brach bei Lichtensteig im Kanton St. Gallen ein Waldbrand aus. Ein Landwirt hatte am Freitag Holzabfälle verbrannt, durch den starken Föhn entwickelte sich am Folgetag aus den Glutnestern ein Feuer. Bis die Feuerwehren den Brand unter Hilfe eines Helikopters im Griff hatten, dauerte es sechs Stunden. Es wurde rund ein Hektar Wald zerstört. Der Landwirt wird angezeigt.
Im Wallis brachen in der Gegend von Martigny gleich zwei Waldbrände aus. Nach Angaben der Walliser Kantonspolizei brach das erste Feuer am Samstag in einer Talmulde über Vernayaz aus. Der zweite Brand wurde in der Nacht zum Sonntag zwischen Finhaut und Giétroz entdeckt.
Obwohl beide Brände relativ klein waren, war die Brandbekämpfung schwierig. Heftige Windböen fachten die Feuer immer wieder an. Inzwischen sind die Brände unter Kontrolle. In beiden Fällen wurden die Feuer vermutlich durch den Kontakt von Bäumen mit Stromleitungen ausgelöst.
(Video: Leser-Reporter)
Zahlreiche Einsätze
Die Orkanböen, die stellenweise Spitzen von 200 Stundenkilometern erreichten, hielten die Einsatzkräfte in der ganzen Schweiz auf Trab. Vielerorts warf der Wind Strommasten und Bäume um und legte den Verkehr lahm.
Die Hauptstrasse zwischen Zweisimmen und Saanen war vorübergehend gesperrt. Mehrere Bahnen der Jungfraubahn AG nahmen ihren Betrieb gar nicht erst auf. Die Dörfer Wengen und Mürren waren bis Sonntagmittag von der Umwelt abgeschnitten. Unterbrochen waren wegen Sturmschäden auch mehrere Zugstrecken im Kanton Graubünden.
Zahlreiche Einsätze wegen Sturmschäden vermeldeten ausserdem die Behörden in Schwyz, Luzern sowie im Wallis. Die Kantonspolizei Wallis vermeldete 80 Einsätze in Zusammenhang mit den Böen. Bei der Kantonspolizei Bern gingen knapp 60 Meldungen ein.
(Video: Leser-Reporter) (kri/sda)