Keine Käpslipistolen an der Kinderfasnacht

Aktualisiert

Spielzeugwaffen verbotenKeine Käpslipistolen an der Kinderfasnacht

Viele Kindergärten und Schulen verbieten Kindern an der Fasnacht das Tragen von Spielzeugwaffen. Ob dies sinnvoll ist, ist bei Fachleuten umstritten.

Deborah Onnis
von
Deborah Onnis
Die Pistolen müssen kleine Cowboys an den Fasnachtsanlässen vieler Schweizer Schulen zuhause lassen.

Die Pistolen müssen kleine Cowboys an den Fasnachtsanlässen vieler Schweizer Schulen zuhause lassen.

Cowboys, Indianer, Ritter und Piraten werden sich dieses Jahr in einem Zürcher Kindergarten an der Fasnacht keine Show-Kämpfe liefern können. Jegliche Spielzeugwaffen wie Pistolen, Schwerter, Säbel sowie Pfeil und Bogen sind untersagt, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. In einem Schreiben an die Eltern habe der Kindergarten den «Dresscode» definiert: Erlaubt sind lediglich die Verkleidungen als «Zauberer, Fee, Prinzessin, Tier, Blume oder Früchtchen».

Gandhi vs. Captain Jack Sparrow

Der Zürcher Kindergarten ist nicht der einzige, der kleinen Rittern und Piraten einen Strich durch die Rechnung macht. Die Kita Luftibus in Winterthur, der Montessori-Kindergarten in Baar ZG und das Kinderhaus Sunnehöfli in Kreuzlingen TG beispielsweise verbieten ebenfalls sämtliche Spielzeugwaffen. Diese würden echten Waffen teilweise sehr ähnlich sehen – begründet die Schule Herrliberg das ganzjährige Verbot von Spielzeugwaffen auf dem Schulareal an der Zürcher Goldküste.

Verständnis für das Verbot hat Montessori-Pädagogin Verena Schüepp-Lanz: «Kinder brauchen wahrhafte Helden, denen sie nacheifern können: Gandhi, Mutter Teresa oder Einstein.» Anderer Meinung ist der Zürcher Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl: Er findet es pädagogisch sinnvoll, Kindern Spielzeugwaffen zu erlauben. Dadurch könnten sie lernen, mit Aggressionen umzugehen.

Bei der Suche nach passenden Fasnacht-Accessoires für das Piraten- oder Cowboy-Kostüm haben es Eltern und Kinder heute schwerer als vor fünf Jahren. Im Jahr 2009 wurde das neue Schweizer Waffengesetz eingeführt, unter das auch Imitationswaffen fallen, sofern Verwechslungsgefahr mit echten Waffen besteht.

«Richtige Cowboys brauchen eine Käpselipistole»

Coop nahm daraufhin gesetzeskonform alle zu echt aussehenden Spielzeugwaffen aus dem Sortiment, wie Sprecher Urs Meier sagt. Davon sei ein Grossteil der Spielzeugpistolen betroffen gewesen. «Wir verkaufen nach wie vor Spielzeugwaffen, die aber als solche deutlich erkennbar sind», sagt Meier. Dazu gehören auch die Käpslipistolen. Bei Coop sei man überzeugt: «Ein echter kleiner Cowboy braucht eine Käpslipistole.»

Die Migros schreibt auf ihrer Website, dass das Spielen mit Spielzeugwaffen okay sei, solange es nicht durch Gewalt und Aggression geprägt ist. Zudem solle man Kindern klar machen, dass sie mit der Spielzeugpistole nie auf Menschen und Tiere zielten, wie in dem Famigros-Artikel weiter steht.

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