Flüchtlings-HochburgenWo in der Schweiz die Eritreer leben
Experten sehen die Gefahr von Parallelgesellschaften, wenn viele Flüchtlinge in die gleichen Gemeinden ziehen. Doch wo wohnen hierzulande am meisten Eritreer oder Syrer?
Wer in der Schweiz als Flüchtling anerkannt oder vorläufig aufgenommen wird, zieht oft dorthin, wo bereits Landsleute wohnen. Das sagte kürzlich die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli und forderte massiv mehr Geld für die Integration von Flüchtlingen, um die drohende Entstehung von Parallelgesellschaften zu verhindern.
Doch ist es tatsächlich so, dass sich Eritreer und Syrer ungleich übers Land verteilen? Das Bundesamt hat am Donnerstag die neusten Zahlen zur Bevölkerungsstruktur veröffentlicht. Die Statistik bietet eine detaillierte Auflistung der in der Schweiz wohnhaften Personen und deren Staatsangehörigkeit nach Gemeinde. Dabei zeigt sich: Oft sind die Anteile von Eritreern und Syrern dort besonders hoch, wo viele Flüchtlinge in kleinen Gemeinden leben.
Städte mit tiefen Quoten
Den grössten Syrer-Anteil weist mit 5,8 Prozent die Bündner Gemeinde Schluein auf, die auch viele Eritreer beherbergt. Auch in Oberembrach (ZH), Kappelen (AG) und Buch (SH) stehen jeweils Asylunterkünfte, in denen viele Syrer wohnen.
In der Genfer Gemeinde Anières sind 3,9 Prozent der Einwohner Bürger von Eritrea. Die Berner Gemeinden Riggisberg, Gampelen und Kehrsatz weisen ebenfalls hohe Eritreer-Quoten auf – genauso wie die kleineren Gemeinden Buch (SH), Rekingen (AG) und Schluein (GR). Zum Vergleich: In Zürich beträgt der Anteil der Eriteer an der Wohnbevölkerung 0,34 Prozent, in Basel sind es 0,33 Prozent.
Belastung für Gemeinden
Der hohe Anteil in den Gemeinden ist nicht allein durch die Bewohner der Asylzentren zu erklären. Denn wenn die Flüchtlinge bei einem positiven Bescheid den Wohnort frei wählen können, ziehen sie oft in dieselben Gemeinden wie ihre Landsleute. Für viele Aargauer Gemeinden, die schon länger viele Flüchtlinge unterbringen, wird dies zum Problem. So sagt die Aarburger SVP-Gemeinderätin Martina Bircher: «Weil wir günstigen Wohnraum haben und Landsleute hier wohnen, bleiben viele Eritreer nach dem positiven Bescheid hier wohnen oder ziehen aus anderen Unterkünften zu.»
Die Leute seien oft zu wenig in den Arbeitsmarkt integriert, sodass man nach fünf bis sieben Jahren die Sozialhilfekosten aus der Gemeindekasse bezahlen müsse. «Für uns und andere Gemeinden ist das eine tickende Zeitbombe», sagt Bircher, die bereits letzten Herbst auf die Problematik aufmerksam machte.
Isolation führt zu Problemen
Wenn Flüchtlinge in die selben Gemeinden ziehen und sich nicht genügend integrieren, kann dies laut Integrationsexperte Thomas Kessler tatsächlich zu einer Reihe von Problemen führen: «Die Folgen sind Sozialhilfeabhängigkeit, Untätigkeit und Ungleichheit. Daraus können im schlimmsten Fall Krankheit und Delinquenz entwickeln.» Gerade deshalb sei aktive Integration ab dem erstem Tag wichtig. Sie wirke präventiv und ermögliche Arbeit und Bildung. Zu verhindern gelte es eine Abschottung, so Kessler. «Es ist normal, dass man zu Landsleuten migriert. Problematisch ist die mögliche Isolation. Diese darf nicht zugelassen werden.»
Als Gegenmassnahme schlägt Kessler Massnahmen wie die Instruktion durch integrierte Landsleute vor. Auch eine Tagesstruktur für Kinder und Erziehende, Sprachkurse und Eingliederung in Vereine seien mögliche Schritte. «Arbeit gibt ein gutes Selbstwertgefühl und steigert die Akzeptanz bei den Einheimischen.»