Tinnitus-Alarm«Katzenschreck hat mein Leben zerstört»
Ein Lehrer erlitt ein Knalltrauma, Schulkinder halten sich im Freien die Ohren zu: Ohrenärzte und die Schule Romanshorn kämpfen gegen Katzenschrecks.

Das Corpus delicti: Dieser Katzenschreck veränderte Markus Scheuners Leben. Der Tinnitus begleitet ihn seither Tag und Nacht.
Die Katze ist des Schweizers liebstes Haustier: In jedem vierten Haushalt hat es hierzulande ein Büsi. Doch nicht bei allen kommen die Vierbeiner gut an: Sie verrichten ihr Geschäft auf Nachbars Blumenbeet oder jagen seltene Vogelarten.
Den Geplagten bieten Firmen aus der Schweiz und dem Ausland eine Waffe an: den Katzenschreck. Diese Geräte senden auf einer hohen Frequenz Töne, die Katzen als unangenehm empfinden und darum den betreffenden Garten meiden.
«Ein Stich wie mit einer Nadel»
Der Einsatz solcher Katzenschrecks ist jedoch alles andere als harmlos: «Ein Katzenschreck hat mein Leben zerstört», sagt der Romanshorner Primarlehrer Markus Scheuner. Er erlitt 2007 ein Knalltrauma, ausgelöst durch einen Katzenschreck. Sein Nachbar hatte das Gerät aufgestellt. Als Scheuner dem aufdringlichen Ton nachging, erfasste ihn der Radar: Eine Schallwelle traf auf sein linkes Ohr. «Ein Stich, wie mit einer Nadel, schoss durch mein Ohr», so der Lehrer.
Seither leidet der 52-Jährige unter einem starken Tinnitus und reagiert überempfindlich auf Geräusche: «Ständig höre ich diesen Ton. Kino, Musik oder Vogelgezwitscher sind schon zu viel», so Scheuner. Es stellte sich heraus, dass das Gerät einen Ton von 120 Dezibel und acht Kilohertz aussendete – einiges lauter als ein Presslufthammer. Einen Berner ereilte das gleiche Schicksal, als er seinen Marderschreck einstellen wollte, er verlor darauf die Arbeit und wurde depressiv.
Qual für Kinder
«Diese Geräte sind gefährlich», sagt auch der Romanshorner Schulpräsident Hanspeter Heeb. Er ist besorgt um die Gesundheit seiner Schüler und rät dringend von der Beschaffung eines Katzenschrecks ab.
An einem Workshop zum Thema Akustik beklagten sich die Schüler über die Töne dieser Apparate. «Sobald ich aus dem Haus gehe, halte ich mir die Ohren zu», erzählte eine Schülerin. Kinder sind anfälliger auf hochfrequente Töne; je älter man wird, desto weniger Töne kann man wahrnehmen.
Es ginge auch anders
«Falsch eingestellt, können schlimme Schäden passieren», sagt Andreas Schapowal, Ohrenarzt und Präsident der Tinnitus-Liga Schweiz. Gesetze für den Umgang mit den Schreckgeräten gibt es keine, im Internet kann man eines für 30 Franken kaufen, «mit dem man jemanden foltern könnte», so Schapowal. Dabei verscheuche man die Tiere auch in dem für Menschen völlig ungefährlichen Frequenzbereich ab 20 Kilohertz.
«Manche Leute brauchen die Geräte aber absichtlich, um Jugendliche zu verjagen», so der Arzt zur «Thurgauer Zeitung». Er verlangt deshalb, dass die Geräte nur Töne über 25 Kilohertz aussenden sollten, die auch Kinder nicht hören können. Das Bundesamt für Umwelt stuft die Störung durch die Geräte ebenfalls als «erheblich» ein.