WahlkampfGrünliberaler karrt E-Mobil mit Benziner herum
Für den Wahlkampf fährt der Bündner GLP-Nationalrat Josias Gasser mit einem Ökomobil vor. Dieses transportiert er jeweils auf einem Anhänger bis an den Dorfrand und steigt dort um.
«Das ist doch ein Etikettenschwindel und vom ökologischen Standpunkt her völliger Blödsinn», sagt die Bündner SVP-Nationalratskandidatin Valérie Favre Accola. Mit der Aktion verschaukle man doch nur die Wähler. Gemeint ist Josias Gassers Umgang mit seinem Ökomobil. Der 62-jährige Nationalrat der Bündner Grünliberalen (GLP) und Spitzenkandidat für die Wahlen im Oktober fährt mit diesem jeweils an seine Wahlveranstaltungen.
Der Schönheitsfehler an der Sache: Zuvor transportiert Gasser das Gefährt mit Auto und Anhänger an den Ort der Wahlveranstaltung. Erst am Dorfrand steigt er um. Diverse Zeugen bestätigen, dass dies bisher an mindestens vier Wahlveranstaltungen der Fall war.
Blosses Marketing-Instrument
Für Favre Accola ein Unding: «Ich habe es selbst gesehen. Beim ersten Mal dachte ich noch, sein Ökomobil habe einen technischen Defekt, deshalb sei es auf dem Anhänger.» Als sie Gasser dann aber am 26. August in Poschiavo wieder mit Auto und Anhänger sah, hatte sie Gewissheit: «Diese Methode hat System.»
«Mir ist schon klar, dass man in einem so weitläufigen Kanton wie Graubünden nicht überall mit einem Ökomobil hinfahren kann, das erwarte ich gar nicht», sagt Favre Accola. Aber das Gefährt auf einem Anhänger anzukarren könne kaum die Lösung sein. «Wenn man schon für Ökologie wirbt, muss man diese auch leben und sie nicht nur als Marketing-Instrument benutzen. Gassers Aktion steht doch im Widerspruch zu dem, wofür seine Partei eigentlich steht.»
Laut Favre Accola hat sich die SVP Graubünden für ihren Wahlkampf bewusst gegen den Einsatz eines Piaggio-Dreirads entschieden, obwohl die anderen Kantone diesen als Wahlkampfmobil einsetzen. «In Graubünden wäre das aber ökologisch nicht sinnvoll», so Favre Accola.
Auch beim Bündner SVP-Nationalrat Heinz Brand sorgt Gassers Vorgehen für Kopfschütteln. «Damit führt man die Wähler hinters Licht», so Brand. Man könne doch nicht Wasser predigen und Wein trinken.
«Soll ich die Rikscha in den Zug nehmen?»
Josias Gasser selbst findet die ganze Aufregung völlig übertrieben. «Andere Parteien laden ihre Tische und Equipment auf den Anhänger, ich eben meine Rikscha», so Gasser. Die Rikscha sei sein fahrender Wahlkampf-Stand, das hebe ihn von anderen Nationalratskandidaten ab. Und überhaupt: «Ich muss ja sowieso mit dem Auto zur Wahlveranstaltung, der zusätzliche CO2-Ausstoss durch den Anhänger ist da völlig minim.»
Eine Alternative gebe es nicht. «Soll ich die Rikscha etwa im Zug mit an die Wahlveranstaltung nehmen?», so Gasser. Nebst der Rikscha hat er noch drei weitere Fahrzeuge in seiner Wahlkampfflotte. Ein vollelektrisches Twike, einen vollelektrischen Smile und einen Tesla. «Leider war dieser zum Zeitpunkt der Bestellung nicht mit Anhängerkupplung erhältlich, sonst hätte ich die Rikscha selbstverständlich mit dem Tesla zu unseren Auftritten in die Dörfern gefahren», so Gasser. Was sein Engagement für nachhaltige Entwicklung angeht, habe er sich überhaupt nichts vorzuwerfen. «Ich bin jederzeit bereit, mich mit Frau Favre Accola zu messen, um herauszufinden, wer den grösseren ökologischen Fussabdruck hat», so Gasser. Er glaube nicht, dass er es sei.