Polizist soll mit blossem Auge Kiffer erkennen

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St. GallenPolizist soll mit blossem Auge Kiffer erkennen

Geschulte Polizisten sollen künftig in St. Gallen beurteilen, ob ein Lenker müde, bekifft oder zugekokst ist. Das ersetzt die bisherigen Drogenschnelltests. Die Praxis ist umstritten.

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Die St. Galler Polizei ersetzt Drogenschnelltests durch Polizeibeobachtung.

Die St. Galler Polizei ersetzt Drogenschnelltests durch Polizeibeobachtung.

Kein Anbieter/Keystone

Bisher musste sich in der Ostschweiz bei Verdacht auf Drogenkonsum ein Fahrer einem Drogenschnelltest unterziehen. Dies könnte sich in St. Gallen allerdings schon bald ändern: Der Kanton testet derzeit eine Methode, bei der geschulte Polizisten den Drogenkonsum der Lenker nur durch Beobachtung einschätzen sollen, wie die «Südostschweiz» am Dienstag schreibt.

So sollen die Polizisten etwa durch Beobachten der Reaktion, Auffälligkeiten im Fahrzeug (Cannabisgeruch), Sprache, Verhalten oder auch den Gesprächsinhalt oder die Pupillenreaktion einschätzen, ob Personen noch fähig sind zu fahren. Fahrausweise können dann auf blossen Verdacht hin entzogen werden. Zudem geht es zur Blutentnahme.

Inspiriert wurden die St. Galler durch die Zürcher Kantonspolizei, die seit 2014 auf Drogenschnelltests verzichtet. «Zürich war ganz klar ein Vorreiter für uns», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Die bisherigen Drogenschnelltests könnten nicht alle Substanzen nachweisen. Vor allem neue Drogen erkennt der Test laut Krüsi nicht. «Wir befinden uns momentan noch in der Ausbildungsphase. Ende Monat geht es dann mit 35 Polizisten los», so Krüsi. Fällt der Pilotversuch positiv aus, wird das neue System wohl in der ganzen Ostschweiz eingeführt.

Auch andere Faktoren weiten Pupillen aus

Die neue Praxis ist umstritten. Das wurde auch beim Fall von Nadine K. klar. Weil ihre Pupillen «falsch» reagierten, wurde der St. Gallerin der Ausweis fünf Wochen lang entzogen – zu Unrecht. Blut- und Urinprobe waren beide negativ. Augenärzte stellten den Pupillen-Check damals in Frage. «Nicht nur Drogen sorgen für eine erweiterte Pupillen. Auch neurologische oder mechanische Störungen verändern die Pupillen», sagt Martin Reichel, Arzt am Augenzentrum in Kreuzlingen. Auch Stress könne die Pupillen verändern. Und: «Bei einer Polizeikontrolle kann natürlich Stress herrschen.»

Dass diese Praxis nun auch in der Ostschweiz eingeführt werden soll, sorgt auch bei einem Zürcher Anwalt* für Unverständnis. «Diese Vorgehensweise ist ein absoluter Schwachsinn», so der Anwalt, der selbst einmal ein Mandat in einem ähnlichen Fall im Kanton Zürich vertrat. «Wenn dieser Pupillen-Check eingeführt wird, dann soll das Ergebnis der Blut- und Urinuntersuchung sofort ausgewertet werden und nicht Wochen später», so der Anwalt weiter. Und wenn der Ausweis zu Unrecht entzogen worden sei, soll der Staat auch die Entschädigung zahlen.

*Name der Redaktion bekannt

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