Wegen Facebook-Eintrag zur Nachkontrolle

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StrassenverkehrsamtWegen Facebook-Eintrag zur Nachkontrolle

Pech für den Thurgauer Richard Aeberhard: Via Facebook hatte er sich gefreut, dass bei der MFK sein getuntes Auto nicht aufgefallen war. Nun lud ihn die Behörde erneut zum Vorfahren vor.

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Annemarie und Richard Aeberhard mit dem Corpus Delicti. (Bild: taw)

Annemarie und Richard Aeberhard mit dem Corpus Delicti. (Bild: taw)

«Vor vier Monaten kam das Aufgebot zur Fahrzeugprüfung für den Jeep Grand Cherokee», erzählt Richard Aeberhard. Hinten am Fahrzeug hatte er Distanzscheiben zur Spurverbreiterung angebracht. Die Scheiben sind hinter den Felgen montiert und sorgen dafür, dass diese weiter aus dem Radkasten vorstehen. Aeberhard hatte sie vor der Kontrolle noch entfernen wollen, dies dann aber vergessen. Den Termin abzusagen wäre mit Kosten verbunden gewesen. «Es ist ein optisches Detail – wer sich damit nicht auskennt, übersieht es leicht», so der 40-Jährige.

Priorität Verkehrssicherheit

Genau so kam es auch: Die Zuständigen bei der Motorfahrzeugkontrolle (MFK) bemerkten die Distanzscheiben am Jeep nicht. «Menschen machen nun einmal Fehler. Bei der Kontrolle müssten rund 700 Positionen in 20 Minuten geprüft werden. Das ist unmöglich, da muss man Schwerpunkte setzen», so Ernst Rudolf Anderwert, Geschäftsführer des Strassenverkehrsamts Thurgau. Im Zentrum würden Positionen im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit stehen.

Aeberhards Freude über das Prüfergebnis war gross und so liess er seine Freunde via Facebook daran teilhaben. «Distanzplatte händs glücklicherwiis übersehe. Guet isch sAnny go zeige. Yeah» und «Plan isch ufgange. D Anny hät d Experte erfolgrich abglänkt», schreibt er. Mit Anny meint er seine Ehefrau Annemarie (26).

Freude währte nicht lange

Inzwischen ist ihm die Freude gründlich vergangen. Vor vier Tagen kam nämlich eine neue Vorladung vom Thurgauer Strassenverkehrsamt. Darauf steht auch eine Bemerkung zum Prüfgrund: «Technische Änderung Distanzscheiben gemäss Eintrag Facebook». MFK-Chef Anderwert: «Wir wurden durch eine E-Mail auf den Facebook-Post aufmerksam gemacht», so Anderwert.

Aeberhard traut seinen Augen kaum: «Die Beamten haben offenbar meinen Eintrag entdeckt. Was für ein Überwachungsstaat», so der gelernte Koch. Auf Facebook hält der Bischofszeller dazu fest: «Kleine Lehrstunde: Bedenke stets, dass alles, was du im Facebook preisgibst, nun mit den neuen Facebook-Anpassungen auch für alle Freunde deiner Freunde sichtbar wird und somit die vermeintliche Privatsphäre effektiv nicht mehr vorhanden ist.» Sein Profil hat er seit etwa acht Jahren und bisher immer gedacht, dass nur Freunde seine Posts lesen können.

Ärgerlich an der Sache ist laut Aeberhard auch, dass er das Auto nächsten Monat verkaufen wollte. Um die Distanzplatten rechtmässig eintragen zu lassen, ist ein Gutachten nötig. Dieses kostet rund 300 Franken. «Das ist es mir nicht wert», so Aeberhard. Die Spurverbreiterung wird also abmontiert.

In Zukunft will er es sich zweimal überlegen, bevor er wieder etwas auf Facebook postet. «Ich habe meine Lehre daraus gezogen», so Aeberhard. Er habe sich sogar schon überlegt, seinen Account ganz zu löschen – zumindest will er seine Privatsphäre-Einstellungen jetzt ändern.

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