Spar St. GallenZoff bei Detailhändler wegen primitiver Mails
Kaderleute des Grossverteilers Spar sind intern unter Beschuss geraten: Ihnen werden Pöbeleien und unpassendes Verhalten vorgeworfen. Das Unternehmen reagiert.
Führungskräfte beim St. Galler Grossverteiler Spar würden sich seit Jahren gegenüber ihren Mitarbeitern primitiv verhalten und niemand tue etwas dagegen, heisst es in einem Dokument, das 20 Minuten zugespielt wurde. Auch von Mobbing ist die Rede. Im Zentrum stehen vor allem zwei Mitglieder des oberen Kaders.
Nachrichten im Stil von: «Scheisse, Scheisse und nochmals Scheisse» verschärft mit Drohungen wie: «Zieht euch warm an! (...) Anscheinend geht es mit ‹Bittibättipolitik› ja nicht» seien keine Seltenheit, so der Informant, der anonym bleiben will. Auch wurden Angestellte von einem Kadermitglied dazu aufgefordert, einen Slogan für die Gewerkschaft Unia zu kreieren. Der Mann liefert gleich ein Beispiel mit: «unkontrollierbare Infektionen im Arsch».
Einer der beiden im Fokus stehenden Kaderangestellten schrieb zudem per Mail an seine Mitarbeiter: «(...) ab 17 Uhr bin ich sturzbetrunken (...) und ab 22 Uhr unter meiner Frau und hoffentlich nicht unter der Erde.» Der Kadermann habe auch ein grausiges Bild mit einem blutverschmierten Mädchen und der Aufschrift: «Kinder brauchen Fleisch» per E-Mail versandt. Dieses Bild verwendete er bis am Mittwochabend zudem auf seiner Geschäftsnummer als Anzeigebild bei Whatsapp. «So etwas ist doch krank und primitiv», schreibt der Informant. Nach einer Anfrage von 20 Minuten bei Spar wurde das Bild geändert.
«Wir akzeptieren solch ein Verhalten keinesfalls»
Doch die Vorwürfe gehen noch weiter. Ein anderes Kadermitglied sei im Umgang mit Mitarbeitern alles andere als zimperlich. Bei Kadersitzungen würde er seine Mitarbeiter mit «Arschloch» oder «Wixer» betiteln. Zudem sei er schon des Öfteren ausfällig geworden.
20 Minuten konfrontierte Spar am Mittwoch mit den Vorwürfen. «Der Versand dieser E-Mails wurde uns durch die betreffende Person bestätigt», sagt Sprecher Ronald Haug. Zu den Beleidigungsvorwürfen wollte er keine Stellung nehmen: «Dafür brauche ich konkretere Beispiele.»
Die Geschäftsleitung habe von den Vorfällen nichts gewusst und distanziere sich ganz klar von dem in den E-Mails verwendeten Ton und Stil. «Wir akzeptieren solch ein Verhalten keinesfalls», so Haug. Auch für Kadermitarbeiter bestünden klare Richtlinien und Spar lege auf deren Befolgung grossen Wert. «Im vorliegenden Fall sind diese ganz klar verletzt worden, das bedauern wir sehr», so Haug. Natürlich würden nun die nötigen Massnahmen ergriffen. «Geschehenes können wir leider nicht ungeschehen machen. Wir können nur dafür sorgen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert.»