Bund muss radioaktive Häuser sanieren

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Uhrmacher-AltlastenBund muss radioaktive Häuser sanieren

Zahlreiche Gebäude im Jurabogen sind radioaktiv verseucht. Sie müssen dekontaminiert werden. Die Kosten von rund 5 Mio. Franken trägt der Bund.

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Durch die radioaktive Leuchtfarbe, die bis 1963 verwendet wurde, wurden viele Häuser verseucht. (Bild: Symbolbild)

Durch die radioaktive Leuchtfarbe, die bis 1963 verwendet wurde, wurden viele Häuser verseucht. (Bild: Symbolbild)

Keystone/Jean-christophe Bott

Insgesamt 500 Gebäude in Biel, La Chaux-de-Fonds, Neuenburg und weiteren Gemeinden könnten gemäss dem Bund radioaktiv verstrahlt sein. Die Ursache: Bis 1963 kam in der Uhrenindustrie radioaktive Leuchtfarbe zum Einsatz, die Radium-226 enthielt.

Vergangenen März entdeckte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei Messungen in Biel eine kontaminierte Wohnung. Diese wurde zu dem Zeitpunkt als Kindertagesstätte benutzt, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Doch bei dieser einen Wohnung sollte es nicht bleiben: Nach einer Kontrolle von 83 Häusern in den verschiedenen Regionen stellte sich heraus, dass mindestens 23 so stark verstrahlt sind, dass sie dekontaminiert werden müssen. Kostenpunkt: fünf Millionen Franken. Zahlen muss der Bund.

Auch Gärten betroffen

Alleine in Biel sind neun Wohnungen betroffen, acht in La Chaux-de-Fonds und sechs weitere in Grenchen, Neuenburg, Tavannes, Orpund und Kräiligen. Gemäss der Zeitung soll in den meisten Gebäuden jeweils eine Wohnung betroffen sein. Bei elf Gebäuden sind auch Gärten verstrahlt.

Der gesetzliche Grenzwert für radioaktive Strahlung beträgt ein Millisievert pro Jahr. Ein darüber liegender Wert kann das Krebsrisiko steigern. Um wie viel dieser in den kontaminierten Wohnungen überschritten wurde, ist unklar.

Rund 400 weitere Häuser unter Verdacht

Gemäss der «Berner Zeitung» will sich das BAG über mögliche Risiken, denen die nichtsahnenden Bewohner der Gebäude in den letzten Jahren ausgesetzt waren, nicht äussern. Laut BAG-Sprecher Daniel Dauwalder gab es keine «unmittelbare Gesundheitsgefährdung». Doch: Der Bund scheint die Angelegenheit sehr ernst zu nehmen. Acht der 23 Gebäude wurden bereits dekontaminiert.

Mehr Arbeit wartet aber bereits: 400 weitere verdächtige Gebäude stehen auf der Pendenzenliste der Strahlungsexperten. In den kommenden Monaten könnten also weitere kontaminierte Liegenschaften entdeckt werden.

Werden Asylsuchende Gefahr ausgesetzt?

Ein weiterer Fall in Riggisberg: Gemäss dem Anwohner André Perroud wurden sechs Asylsuchende in einem radonverseuchten Haus am Gantrischweg 17 untergebracht. Radon ist ein natürliches, radioaktives Edelgas, das durch Ritzen oder Naturböden aus dem Untergrund in Gebäude eindringen kann. Es gilt nach dem Rauchen als häufigste Ursache für Lungenkrebs.

Gemäss dem Bund gehört das Gebäude dem Wohnheim Riggisberg. Auf Anfrage heisst es: «Die Radonwerte liegen nicht im gesundheitsbeeinträchtigenden Bereich», so Regula Mader, Leiterin und ehemalige UPD-Direktorin, zum Bund. Gemäss ihr ist das Gebäude alt und soll abgerissen werden - eine Sanierung lohne sich nicht mehr. Die Asylsuchenden müssen aber bis Oktober in diesem Haus bleiben.

Gemäss Experten liegt die Radon-Belastung im Wohnheim in Riggisberg jedoch unter dem heute geltenden Grenzwert und stellt für die Bewohner keine Gefahr dar.

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