Ehefrau bespitzelt – Swisscom-Angestellte half

Publiziert

ScheidungskriegEhefrau bespitzelt – Swisscom-Angestellte half

Mithilfe von Handyverbindungsdaten hat ein eifersüchtiger Ehemann wiederholt seine Frau drangsaliert. Er und seine Helferin wurden verurteilt.

C. Humbert
von
C. Humbert
Jahrelang hat ein heute 31-jähriger Libanese seine Noch-Ehefrau belästigt - unter anderem mithilfe einer Swisscom-Mitarbeiterin, die ihm die Auszüge der Handydaten seiner Frau lieferte (Symbolbild).

Jahrelang hat ein heute 31-jähriger Libanese seine Noch-Ehefrau belästigt - unter anderem mithilfe einer Swisscom-Mitarbeiterin, die ihm die Auszüge der Handydaten seiner Frau lieferte (Symbolbild).

Keystone/Gaetan Bally

Manche Menschen sind nach einer Trennung zu allem bereit, um sich zu rächen. Der heute 31-jährige Libanese W. schaffte es 2011, eine Swisscom-Mitarbeiterin davon zu überzeugen, ihm die Mobiltelefondaten seiner Frau bekannt zu geben. Das Paar war im Begriff, sich scheiden zu lassen.

Die Mitarbeiterin machte sich mit vollem Einsatz ans Werk: Sie schickte ihm die Auszüge der Telefonverbindungen mit Nummern, Daten, Uhrzeit und Länge der Anrufe. Und als die verzweifelte Ehefrau die Nummer wechselte, gab die Swisscom-Mitarbeitern dem Noch-Ehemann die neuen Koordinaten ebenfalls durch.

In die Wohnung eingebrochen

Der eifersüchtige Ehemann unternahm aber noch mehr, um seine Frau auszuspionieren. So verfügte er über die Zugangscodes zu ihrem E-Mail-Server und las alle ihre Mails. W. nutzte diese Informationen, um seine Frau am Telefon zu belästigen. So rief er sie einmal innert einer Viertelstunde 13-mal an.

Diese Besessenheit, laut seinen eigenen Aussagen motiviert durch «Hass», dauerte mindestens bis 2014 an. Der Mann ging so weit, in die Wohnung seiner ehemaligen Partnerin einzubrechen, wo er das Familienbüchlein kaputtmachte und ihren Computer stahl.

«Er hat Ausreden für alles»

Trotz seiner grossen Eifersucht liess er es sich aber nicht nehmen, selbst amouröse Eroberungen zu machen. Auch sie wurden Opfer seiner Boshaftigkeit: 2012 und 2013 filmte W. seine Eskapaden mit Frauen und schickte diese Videos an Drittpersonen. Die Frauen sagten vor Gericht unter Tränen aus.

«Er hat Ausreden für alles und bedauert nur sich selbst. Er ist sich nicht bewusst, was für einen Schaden er anrichtet», sagte der Richter des Bezirksgerichts Vevey bei der Verkündung des Urteils. Der 31-Jährige wurde zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Davon muss er sechs Monate absitzen. Der Richter: «Seine Schuld wiegt schwer.»

Swisscom-Mitarbeiterin wurde verurteilt

Das Gericht hielt zudem fest, dass auch der Umstand einer schwierigen Trennung, die Rage, die Zerstörungswut und die totale Respektlosigkeit, die er gegenüber seiner Partnerin an den Tag legte, sein Handeln nicht rechtfertigten.

Auch für die Swisscom-Mitarbeiterin hatten ihre Handlungen Konsequenzen: Sie wurde sofort entlassen, als bekannt geworden war, was sie getan hatte. Sie ist bereits in einem separaten Verfahren verurteilt worden.

Deine Meinung zählt