Experten sind sicherNicht der Hund richtete Luca so zu
2002 wurde im Wallis der kleine Luca im Schnee gefunden: So schwer verletzt, dass er heute blind und gelähmt ist. Bisher dachte man, sein Hund habe ihn angefallen. Nun erfährt der Fall eine Wende.
Italienische Experten glauben nicht, dass der 2002 im Wallis bewusstlos im Schnee aufgefundenen Knabe Luca Opfer einer Hunde-Attacke war. Wahrscheinlicher sei eine Aggression von Menschen. Die Walliser Justiz will ihrerseits demnächst ein weiteres Gutachten vorlegen.
Die italienischen Experten haben den Fall Luca im Auftrag der Opferfamilie analysiert. Sie präsentierten ihre Schlussfolgerungen am Dienstag an einer Medienkonferenz in Sitten.
Der Bericht soll der Schweizer Justiz zur Verfügung gestellt werden und der Wahrheitssuche dienen, wie Luciano Garofano, langjähriger Experte für Kriminalfälle bei der Polizei von Parma, erklärte. «Wir wollen nicht die Schweizer Justiz kritisieren, sondern mit ihr kooperieren.»
Nur oberflächliche Bisse und Kratzer an Rücken und Beinen
Die wichtigste Schlussfolgerung der italienischen Experten lautet: Luca war nicht Opfer einer Hundeattacke. Ein Hund beisse einen Menschen meist in den Hals oder Kopf, hielt der Turiner Gerichtsmediziner Roberto Testi fest. Bei Luca seien dagegen am Rücken und an den Beinen nur oberflächliche Bisse und Kratzer gefunden worden.
Testi hält deshalb eine Aggression von Menschen für wahrscheinlicher. Es könnte jedoch auch sein, dass der sechsmonatige Schäferhund der Familie mit dem Knaben spielen oder ihm helfen wollte.
Keine menschliche DNA gefunden
Die italienischen Experten kommen mit ihrem Bericht in zwei wichtigen Punkten zu einer anderen Einschätzung als die Schweizer Gutachter. Laut dem Rechtsmedizinischen Institut Lausanne deuteten alle Indizien darauf hin, dass es eine Konfrontation mit dem Hund gab. Menschliche DNA-Spuren konnten dagegen nicht gefunden werden.
Die Walliser Justiz schloss die Akte 2004, weil es keinen Beweis dafür gab, dass Luca von Menschen traktiert worden war. Die Familie des Opfers ist hingegen überzeugt, dass Luca von drei anderen Jugendlichen geschlagen wurde, diese aber nie belangt wurden, weil sie angeblich aus wohlhabenden und einflussreichen Elternhäusern stammen.
Gutachten zu Zeichnung noch ausstehend
Die Walliser Staatsanwaltschaft wird die Medien ihrerseits demnächst über den Fall orientieren, wie sie am Dienstag mitteilte. Es geht dabei insbesondere um ein Sachverständigengutachten über eine Zeichnung des jüngeren Bruders von Luca aus dem Jahr 2005, aus der hervorgehen soll, dass noch andere Jugendliche am Ort des Geschehens waren.
Das Drama um Luca hatte sich am 7. Februar 2002 in Veysonnaz VS ereignet. Der damals siebenjährige Knabe und sein vierjähriger Bruder waren mit ihrem Hund spazieren gegangen. Als sie nach einer gewissen Zeit nicht zurückkehrten, machte sich die Mutter auf die Suche nach ihnen.
Die Mutter fand ihren ältesten Sohn halb entkleidet und bewusstlos im Schnee liegend. Als der Knabe im Spital aus dem Koma erwachte, war er blind und gelähmt. Die Familie von Luca lebt heute in Italien. Der italienische Staat hat kürzlich Amtshilfeverfahren im Fall Luca beantragt. Die Schweiz hat in der Sache aber noch nicht entschieden. (sda)