«Junge Frauen schätzen ihre Intimität nicht mehr»

Aktualisiert

Sexting-Skandal«Junge Frauen schätzen ihre Intimität nicht mehr»

Tessiner Männer geben den Frauen die Schuld am Sexting-Skandal. Auch der Technologie-Experte Paulo Bellini sagt, für viele zähle nur noch die Provokation.

PM/tab
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Vieles drehe sich heute nur noch ums Aussehen, um Provokation und Narzissmus, sagt ein Technologie-Experte.

Vieles drehe sich heute nur noch ums Aussehen, um Provokation und Narzissmus, sagt ein Technologie-Experte.

Kein Anbieter/(Screenshot: Youtube/AdinaRivers/MyTinySecrets

Die Polizei untersucht derzeit Hunderte Nacktfotos von Tessiner Frauen, die Unbekannte in eine Dropbox gestellt haben. Wer für den Sexting-Skandal verantwortlich ist, weiss derzeit niemand. Junge Tessiner glauben aber, dass sich viele Mädchen für die Sexbilder bezahlen liessen.

Auch Paulo Bellini, Philosoph und Experte für Beziehungen zwischen Mensch und Technologie, sagt zu Tio.ch, die jungen Frauen hätten sich verändert. «Sie wissen nicht mehr, wie wertvoll ihre Intimität ist.» Vieles drehe sich heute nur noch ums Aussehen, um Provokation und um Narzissmus.

Spezielles Interesse am weiblichen Körper

Auch junge Männer seien überfordert: Sie litten unter der Doppelbelastung, sowohl im realen als auch im virtuellen Leben existieren zu müssen. «Die Idee von Privatsphäre verkommt je länger je mehr zu einer Utopie», so Bellini. Die globale Entwicklung vermische sich immer mehr mit dem Alltag.

Dass Frauen von diesem Phänomen mehr betroffen sind als Männer, ist für ihn keine Überraschung: «Der weibliche Körper hat schon immer ein spezielles Interesse auf sich gezogen.»

Unterschied zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre

Schuld am Tessiner Sexting-Fall ist laut Bellini die «heutige globalisierte Gesellschaft, in der das Aussehen mehr zählt als das Wesen dahinter». Dass sich bereits Menschen umgebracht hätten, weil man private Bilder von ihnen online gestellt hatte, zeige, dass man einen solchen Skandal nicht unterschätzen dürfe.

Bellini warnt: «Wir verlieren gerade eine der grossen Eroberungen der Modernität: die Unterscheidung zwischen der Öffentlichkeit und der Privatsphäre.» Die Lücke zwischen jenen, die sich ihrer Handlung bewusst seien, und jenen, die naiv darauf hereinfielen, werde so immer grösser.

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