KieferchirurgieFrau (20) hat endlich kein entstelltes Gesicht mehr
Ein Aargauer Kieferchirurg hat eine 20-Jährige dreimal am Gesicht operiert. Er musste aufpassen, dass er den Sehnerv nicht verletzte.
Beat Hammer erklärt, warum die Planung von Gesichtern eine Herausforderung ist.
Eine junge Frau hat seit ihrer Geburt ein entstelltes Gesicht. Und immer wieder wurde sie gefragt, warum Augen und Mund schief seien. Sogar bei der Bewerbung um eine Lehrstelle war ihr Aussehen ein Thema. «Man hat mir gesagt, dass man bei Bewerbern nicht auf das Gesicht schaut und mich einstellt», sagt die heute 20-Jährige.
Doch das ist nun Geschichte. Vor gut einem Jahr unterzog sich die junge Frau insgesamt drei Operationen. Gesichts- und Kieferchirurg Beat Hammer von der Hirslanden Klinik Aarau versuchte, die Augen- und Mundpartien so auszurichten, dass eine natürliche Gesichtsform entsteht.
«Wir hantieren wie Waldarbeiter»
Bei der ersten Operation löste Hammer die Haut im Bereich der Stirn und der Augen vom Schädel, um Zugang zur Augenhöhle zu haben. Dort trennte er dann bestimmte Knochenteile ab und ordnete sie neu an. «Als ich aufwachte, hatte ich viele Klammern am Kopf und das Gesicht war stark geschwollen», erzählt die 20-Jährige.
Dann war der Kiefer an der Reihe. Die Knochen von Ober- und Unterkiefer wurden mit einer Säge abgetrennt und mit Schrauben neu positioniert. «Wir hantieren wie Waldarbeiter, einfach mit filigraneren Werkzeugen», sagt der Facharzt. Bei der dritten Operation wurde der jungen Patientin Fettgewebe verpflanzt, um dem Gesicht runde Konturen zu geben.
«Nur wenige Ärzte sind darauf spezialisiert»
«Der Fall der jungen Frau war sehr komplex, weil sowohl die Augen als auch der Mund korrigiert werden mussten», erklärt Hammer. Die Operation berge nicht viele Risiken, sei aber sehr anspruchsvoll. Nur wenige Ärzte seien darauf spezialisiert: «Man muss aufpassen, dass der Sehnerv und die feinen Gesichtsmuskeln nicht verletzt werden.»
Bei der jungen Patientin hätten sowohl optische als auch funktionale Faktoren für eine Korrektur gesprochen. «Einerseits litt sie unter den Blicken fremder Menschen, andererseits entstehen bei einseitiger Belastung später oft Beschwerden», sagt Hammer. Eine Korrektur sei aber erst mit 16 bis 20 Jahren möglich, wenn die Wachstumsphase abgeschlossen ist. Deshalb konnte die junge Frau nicht früher operiert werden.
Die Operation wird digital simuliert
Der Eingriff wurde vom Team am Bildschirm geplant. Es simulierte die Verschiebungen der Knochen und erstellte mithilfe eines 3-D-Druckers eine Schablone, die bei der Operation half, die Verschiebung zu bestimmen. «Die Schwierigkeit bei der Planung ist, dass kein Gesicht symmetrisch ist, meist sitzt die Nase leicht schief», sagt der Spezialist. Deshalb müsse man manuell die optimale Ausrichtung finden. Ebenso würden sich die Patienten oft wünschen, dass ihr Gesicht nach dem Eingriff nicht komplett anders aussieht.
Mit dem Resultat ist die junge Patientin sehr zufrieden. Nach der Operation konnte sie zwar vier Wochen lang nur trinken, weil sie ihren Mund kaum öffnen konnte. Eine Therapie habe das aber nach und nach verbessert. «Heute funktioniert wieder alles einwandfrei.»
Prof. Beat Hammer
Beat Hammer ist Facharzt für Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgie. Dazu hat er sowohl ein Medizin- als auch ein Zahnmedizin-Studium absolviert. In der Hirslanden Klinik Aarau behandelt er Fehlbildungen im Gesicht, entfernt Tumore und korrigiert Unfallfolgen. An rund 80 jungen Patienten jährlich korrigiert Hammer das Gesicht.