«Velofahrern fehlt das Unrechts-Bewusstsein»

Aktualisiert

Velos auf dem Trottoir«Velofahrern fehlt das Unrechts-Bewusstsein»

Viele Velofahrer sind in Zürich auf dem Trottoir unterwegs – das kann böse enden. Laut Fussverkehr Schweiz und Pro Velo ist die Stadt daran nicht unschuldig.

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Immer wieder kommt es in Zürich zu Unfällen, weil Velofahrer auf dem Trottoir unterwegs sind.

Immer wieder kommt es in Zürich zu Unfällen, weil Velofahrer auf dem Trottoir unterwegs sind.

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Zürich-Wiedikon am letzten Mittwoch: Ein Velofahrer prallt in einen Fussgänger (77) auf dem Trottoir. Der Mann stürzt. Zuerst kümmerte sich der Unfallverursacher um den 77-Jährigen, doch dann braust er davon. Der Rentner musste mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden. Vom Velofahrer fehlt noch immer jede Spur.

Solche Unfälle kommen glücklicherweise selten vor, sagt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei: «Dass Velofahrer aber verbotenerweise auf den Zürcher Trottoir unterwegs sind, beobachten wir leider immer wieder.»

750 Bussen verteilt

Allerdings ist es laut Cortesi oft schwierig, sie anzuhalten, ohne sie dabei zu gefährden: «Wir können ja nicht die Nummer aufschreiben, wie bei den Autofahrern.» Trotzdem verteilte die Stadtpolizei letztes Jahr 750 Bussen wegen Fahrens auf dem Trottoir, was bei sofortiger Bezahlung 40 Franken kostet.

Dass Velofahrer das Trottoir in Beschlag nehmen, ist auch für Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von Fussverkehr Schweiz, ein grosses Problem: «Leider sind derartige Verstösse in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.»

Velofahrer fehlt das Unrechtsbewusstsein

Gerade in der Stadt Zürich fehlt den Velofahrern teilweise das Unrechtsbewusstsein, so Schweizer: «Viele Trottoirs sind, um durchgehende Velorouten anbieten zu können, von der Stadt als Mischflächen signalisiert worden, die auch Velofahrer benutzen dürfen.» Dies sei nicht nur gefährlich, sondern begünstige auch ein falsches Verhalten: «Einige denken dann, Velofahren sei auf allen Trottoirs legal.»

Auch Dave Durner, Geschäftsleiter von Pro Velo Zürich, findet, dass die Stadt diese Mischzonen abschaffen sollte: «Fahrräder gehören auf einen separaten Veloweg.» Das ist auch das Ziel der Stadt, sagt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr: «Nur ist das nicht überall möglich, da der Platz fehlt.» Deshalb werde man sich wohl von den Mischflächen nicht ganz verabschieden können: «Ob sie die Velofahrer zum Fahren auf dem Trottoir verleiten, kann ich nicht beurteilen.»

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