Bezirksgericht BülachNaiver Pfarrer macht bei Kokain-Geschäften mit
Ein Solothurner Pfarrer mit ausgeprägtem Helfersyndrom musste sich wegen diverser Drogendelikte vor Gericht verantworten. In einer Verhandlungspause verriet er ein Geheimnis.

Der freigestellte reformierte Pfarrer A. W.
Kein Anbieter/Screenshot Tele M1Vor dem Gericht standen der 45-jährige reformierter Pfarrer A.W. aus dem Kanton Solothurn. Als Mitbeschuldigte hatte sich eine 30-jährige Bekannte des Pfarrers zu verantworten. Um ihr zu helfen, hatte er die Delikte begangen. Heute ist der verheiratete Mann ruiniert: Er hat Pfarrstelle und Pfarrwohnung verloren.
Der Dorfpfarrer hat sich laut Anklage der Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, der mehrfachen Gehilfenschaft dazu sowie der mehrfachen - eventuell versuchten - Geldwäscherei schuldig gemacht. Insgesamt geht es um eine Deliktsumme von rund 30'000 Franken. Dabei handelte er stets auf Anweisung beziehungsweise Bitten der Frau. Profit machte er keinen.
Die Staatsanwältin fordert eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten - 8 Monate davon soll er absitzen, für die übrigen 19 soll eine Probezeit von 2 Jahren gelten.
«Nicht zu beweisen»
Für die Frau gelten die gleichen Anklagepunkte mit Ausnahme der Gehilfenschaft. Ihr wird Mittäterschaft vorgeworfen, ausserdem Anstiftung zur Geldwäscherei. Laut Anklägerin sind 48 Monate Freiheitsentzug angemessen.
Der Verteidiger des Pfarrers sieht in nur einem Fall einen Schuldspruch angebracht. Er plädierte auf 18 Monate bedingt. Es sei nicht erwiesen, dass mit den von ihm gebuchten Tickets Drogenkuriere gereist seien und dass das Geld, das er ins Ausland überwies, Drogengeld war. Dies machte auch der Rechtsvertreter der Frau geltend. Während der Pfarrer auf freiem Fuss ist, sitzt die 30-Jährige seit einem Jahr in Haft, zusammen mit ihrem gut einjährigen Töchterchen. Das Urteil wird am 11. Mai eröffnet.
Magdici war seine Wärterin
Wie A.W. gegenüber dem «Blick» in einer Verhandlungspause sagte, war Angela Magdici während seiner U-Haft in Dielsdorf seine Wärterin: «Sie war immer sehr nett zu mir.» Ihr offener Umgang habe wohl auch zu ihrer Versetzung geführt. Magdici sorgte jüngst für Schlagzeilen, weil sie dem verurteilten Vergewaltiger Hassan Kiko bei der Flucht aus dem Gefängnis Dietikon half. Sie sitzt mittlerweile selber hinter Gitter.
Über die Persönlichkeit des umfassend geständigen Pfarrers waren sich Anklage und Verteidigung einig. Sie zeichneten ein Bild eines naiven gutherzigen Mannes. Laut Staatsanwältin hat er «ein krankhaftes Helfersyndrom». Laut Verteidiger ist er «von Grund auf ehrlich».
Von der Mitbeschuldigten habe er sich trotz unguten Gefühlen immer wieder für Hilfsdienste einspannen lassen, buchte Tickets für Drogenkuriere und überwies Gelder, von denen er annehmen musste, dass sie aus dem Drogenhandel stammten. Sein Verschulden wiege nicht leicht, sagte die Staatsanwältin.
«Blind vor Liebe»
Die Mitbeschuldigte machte in der Befragung geltend, sie habe stets auf Anweisung und unter Druck ihres Ehemanns, einem Drogendealer in Brasilien, gehandelt. Unter heftigem Weinen erklärte sie, sie habe stets gefürchtet, er würde sie verlassen, wenn sie nicht tue, was er wollte.
Laut Staatsanwältin dagegen hat die Frau «schamlos und ohne Skrupel» den Pfarrer in die Drogengeschäfte hineingezogen. Sie selbst habe in der Organisation eine wichtige Funktion als Drehscheibe in der Schweiz gehabt. Ihr Motiv bleibe allerdings «einigermassen unklar».
Laut Verteidiger stand seine Mandantin völlig unter dem Einfluss ihres Ehemanns, «blind vor Liebe». Ihre Rolle in der Organisation sei eine untergeordnete gewesen. In ihren Schlussworten beteuerten beide Beschuldigten ihre Reue.
*Name der Redaktion bekannt (20M/sda)