Drohung und SachbeschädigungCarlos muss Ende August vor den Richter
Carlos (19) muss vor dem Bezirksgericht Dietikon antraben: Der Prozess gegen den bekanntesten Jugendstraftäter der Schweiz findet am 28. August statt.
Kurz nach Abbruch des zweiten Sondersettings Ende Oktober 2014 soll Carlos im Zürcher Langstrassenquartier einen Mann mit einem Messer bedroht haben. Dafür wurde er in Sicherheitshaft gesetzt, im April aber freigelassen. Das Obergericht attestierte ihm eine geringe Rückfallgefahr.
Vor Gericht muss Carlos dennoch: Der Prozess vor dem Bezirksgericht Dietikon ZH findet am 28. August statt, wie das Gericht auf Anfrage bestätigt. Angeklagt ist der 19-Jährige wegen Drohung, der Hinderung einer Amtshandlung und mehrfacher Sachbeschädigung.
Die Sachbeschädigungsklage geht auf den Aufenthalt von Carlos im Massnahmenzentrum Uitikon ZH zurück. Dort soll der junge Mann Anfang 2014 randaliert und erhebliche Schäden verursacht haben. Der Jugendliche hatte damit gegen seine Inhaftierung protestieren wollen. Dass diese nicht gerechtfertigt war, stellte später auch das Bundesgericht fest.
Sein Anwalt will Nationalrat werden
Die Staatsanwaltschaft fordert für Carlos eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten, aufgeschoben zu Gunsten einer ambulanten Therapie. Verteidigt wird der junge Mann von Rechtsanwalt Marcel Bosonnet.
Dieser engagiert sich auch politisch: Bosonnet wurde an der Jahresversammlung der Partei der Arbeit Zürich vom 29. Juni als Spitzenkandidat für die Nationalratswahlen im Oktober gewählt. Nicht das erste Mal: Vor vier Jahren liess er sich ebenfalls für die kommunistisch angehauchte Kleinpartei aufstellen – erntete aber nur gerade magere 3669 Stimmen.
Carlos auf freiem Fuss
Carlos, der eigentlich einen anderen Namen trägt, war im Sommer 2013 landesweit bekannt geworden, nachdem in einem Fernseh-Dokumentarfilm der damals zuständige Jugendanwalt über ein «Sondersetting» für den seit seiner Kindheit äusserst schwierigen Jugendlichen berichtete. Die Kosten von 29'000 Franken pro Monat riefen jedoch weit herum Empörung hervor.
Der damals 18-Jährige wurde inhaftiert, auf Geheiss des Bundesgerichts im Februar 2014 aber wieder entlassen. Er kam in ein neues, deutlich preisgünstigeres Sondersetting, das aber seinen Zweck nicht mehr erfüllte. Im Juni 2014, nach nur vier Monaten, wurde Carlos auf freien Fuss gesetzt. Ende Oktober kam es zum Streit an der Langstrasse.