Wohnung «nur an Schweizer, keine Muslime»

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Immobilien-PortalWohnung «nur an Schweizer, keine Muslime»

Ein Vermieter schliesst in seiner Anzeige auf dem Wohnungsportal Immoscout24 Muslime ausdrücklich aus. Der Grund: «Muslime singen mehrmals täglich in der Wohnung.»

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«Nur an Schweizer, Deutsche und EU – keine Muslime»: Eine Anzeige auf Immoscout24 sorgt für Aufregung.

«Nur an Schweizer, Deutsche und EU – keine Muslime»: Eine Anzeige auf Immoscout24 sorgt für Aufregung.

Keystone/Archivbild

Er wolle «keine Muslime» in der 2-Zimmer-Wohnung in Zürich, schreibt ein Vermieter auf dem Wohnungsportal Immoscout24 in seiner Anzeige. Die «Aargauer Zeitung» hat den Verfasser mit der Aussage konfrontiert.

Dieser ist sich keiner Schuld bewusst: «Muslime singen mehrmals täglich in der Wohnung, genau wie in der Moschee. Ich habe schon meine Erfahrungen mit ihnen gemacht, darum darf ich das auch so schreiben», sagt er.

Dem ist nicht so. Der Vermieter kommt damit mit der Rassismus-Strafnorm in Konflikt, wie Marcel Niggli, Strafrechtsprofessor an der Universität Freiburg, gegenüber der Zeitung sagt. «Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die Staatsanwaltschaft der Sache annimmt. Die Annonce ist nicht unproblematisch.» Es handle sich um ein Offizialdelikt.

«Nationalität fällt nicht unter Rassismus-Strafnorm»

Es gilt: «Wer eine Wohnung öffentlich ausschreibt, darf in der Annonce keine Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen.» Anders sieht es mit der Nationalität aus – diese falle nicht unter die Rassismus-Strafnorm.

Dass eine Annonce mit rassistischen Aussagen auf einem Wohnungsportal landet, lässt sich nicht vollständig vermeiden. Zwar werden die Inserate von Mitarbeitern kontrolliert und in einem automatischen Verfahren nach Stichwörtern gefiltert, doch «bei 80'000 aktuellen Inseraten kann es leider im Einzelfall vorkommen, dass die Kontrollmechanismen nicht greifen und ein Inserat mit zweifelhaftem Inhalt auf die Plattform gelangt», schreibt Immoscout24 auf Anfrage der «Aargauer Zeitung». Das Inserat ist mittlerweile von der Homepage verschwunden. Auch Homegate zählt «maximal fünf solche Fälle pro Jahr».

Doch Diskriminierung funktioniert auch ohne verletzende Inserate, wie Forscher der Universität Bern 2014 belegten. Sie fanden heraus, dass Interessenten mit ausländischem Namen signifikant tiefere Chancen auf eine Wohnung haben, als identische Mitbewerber mit Schweizer Namen.

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