«Experte» bleibt dabei, dass der Kornkreis echt ist

Publiziert

Trotz Bekennung von Izzy«Experte» bleibt dabei, dass der Kornkreis echt ist

Der Kornkreis von Uster wurde vom Online-Magazin «Izzy» gemacht. Peter Keller glaubt aber weiterhin an eine übernatürliche Entstehungsweise.

som
von
som

Der Kornkreis in Uster ZH war Teil eines Medienstunts, wie sich am Mittwoch herausstellte.

Die ganze Schweiz rätselte über den Kornkreis von Uster. Für Peter Keller aus Uhwiesen ZH war klar: Der Kornkreis stammt von «unbekannten Wesen». Der psychologische Berater beschäftigt sich seit zwölf Jahren mit der Materie und hat nach eigenen Angaben schon viele Kornkreise untersucht.

Am Mittwoch hat sich jedoch das Online-Magazin «Izzy» dazu bekannt, hinter dem mysteriösen Werk zu stecken. Trotzdem sagt Keller auch am Tag darauf, dass der Kornkreis kein Fake ist. «Ich kann anhand meiner Methode echte und künstliche Kornkreise unterscheiden.» Bei jenem in Uster habe er Informationen wahrgenommen, die dessen Echtheit bewiesen.

Er glaubt, die Macher von «Izzy» wollten nur Aufmerksamkeit erreichen. «Solche nachträglichen Behauptungen wundern mich nicht – das ist nichts Neues», sagt Keller. «Die Video-Zusammenschnitte auf ‹Izzy› sind allesamt nicht notariell beglaubigt, könnten also genauso gut nach der Entdeckung der Figur inszeniert worden sein.» Zur Wahrheitsfindung schlägt er vor, dass die «Izzy»-Redaktoren einen erneuten Versuch im gleichen Feld unternehmen, diesen aber sauber dokumentieren.

Fake-Kornkreise machen nur Felder kaputt

Kornkreisforscher Beni Sidler ist im Gegensatz zu Keller überzeugt, dass Menschen hinter dem Kornkreis stecken: «Die Drohnenaufnahmen zeigen, dass er nicht besonders präzis gemacht ist.» Überhaupt sei kein Schweizer Kornkreis in den letzten zehn Jahren echt gewesen.

Diese Aufnahme eines Kornkreises kursierte gestern auf Schweizer Online-Medien.
Auch 20 Minuten berichtete darüber.
Heute stellte sich heraus: Alles war nur ein Medien-Coup des Online-Magazins «Izzy».
1 / 4

Diese Aufnahme eines Kornkreises kursierte gestern auf Schweizer Online-Medien.

Leserreporter

Seit den 90er-Jahren besucht Sidler Kornkreise im In- und Ausland: «Vor allem in England habe ich Werke von einer Dimension und Präzision gesehen, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass sie über Nacht von Menschen gemacht wurden.» Eine Erklärung wie etwa Ausserirdische oder Magnetismus hat er aber nicht: «Es wäre spannend, wenn es mehr seriöse Forschung in diesem Bereich gäbe.»

Doch genau solche Fake-Kornkreise wie jener von Uster verhindern das: «Man zieht das Phänomen ins Lächerliche, so dass sich kein Wissenschaftler damit beschäftigen will.» Zudem seien Nachahmer gewiss: «Solche Lausbubenstreiche machen nur die Felder kaputt.»

Bretter, Seil und Kompass genügen

Dass nun massenhaft Felder zertrampelt werden, bezweifelt «Izzy»-Chef Bernhard Brechbühl: «So eine Idee hat eine beschränkte Halbwertszeit – das ist einmal lustig, dann nicht mehr. Unserer Aktion hat der Landwirt zugestimmt und wir haben ihn entschädigt.» Und ja, die Redaktion von «Izzy» stecke wirklich hinter dem Ustermer Kornkreis: «Wir wollten damit aufzeigen, wie einfach es ist, einen solchen Hype auszulösen – und dass man nicht gleich bei jedem Gebilde im Kornfeld an Ausserirdische glauben muss.»

Bretter, Seil und Kompass im Smartphone sowie drei Stunden im Feld genügten, um das beeindruckende Werk zu erschaffen. «Für einen Kornkreis, der nicht von dieser Welt ist, muss man einfach extrem aufpassen, keine falschen Halme umzuknicken», sagt «Izzy»-Redaktor Cedric Schild, der die Aktion geplant hat. Auf den Vorschlag von Kornkreis-Kenner Keller, dass man nochmals einen Kornkreis im gleichen Feld machen soll, will man bei «Izzy» nicht eingehen – und sagt passend: «Ich glaube, wir drehen uns hier jetzt etwas im Kreis.»

Deine Meinung zählt