Fonduefahrt endet mit Unfall und 16 Verletzten

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DampfzugFonduefahrt endet mit Unfall und 16 Verletzten

Zuerst gab es Fondue, dann krachte es: Bei einer Oldtimerfahrt prallte ein Dampfzug in Sihlbrugg ZH in ein Baustellenfahrzeug. Dieses war offenbar am falschen Ort abgestellt.

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Gewaltige Dellen zeugen von der Wucht des Aufpralls.
Die Puffer verbogen, das Blech stark eingedrückt.
Wesentlich intakter hingegen scheint die Front des Dampftriebwagens zu sein.
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Gewaltige Dellen zeugen von der Wucht des Aufpralls.

20 Minuten/Dominique Rais

Mit dem historischen Dampftriebwagen CZm 1/2 31 des Vereins Dampfgruppe Zürich plus einem nostalgischen, von der Zürcher Museumsbahn angemieteten Wagon fuhr eine rund 50-köpfige Reisegruppe am Samstagvormittag von Zürich-Hauptbahnhof nach Arth-Goldau.

Dort wechselte die Gesellschaft auf einen historischen Dampfzug der Rigibahn. Ihr Ziel: Rigi-Kulm. Auf dem höchsten Punkt der Königin der Berge warteten ein Apéro und das Käsefondue – die Rigi-Fonduefahrt ist ein Klassiker im Vereinsleben.

Auf der Rückfahrt kurz nach 23 Uhr passierte es: Nachdem der Nostalgie-Zug beim Bahnhof Sihlbrugg ZH einen «Tankstopp» für Wasser eingelegt hatte, prallte er beim Ausfahren in einen abgestellten Schotterwagen.

Eine halbe Million Sachschaden

Zum Glück war der Oldtimer laut einem Sprecher der Kantonspolizei Zürich nur «sehr langsam» unterwegs. Dennoch wurden beim Aufprall wurden insgesamt 16 Personen verletzt; darunter zwei Lokomotivführer. Zwei Personen wurden mittelschwer verletzt, 40 kamen mit dem Schrecken davon.

Einige der Verletzten konnten das Spital bereits wieder verlassen. Die Rettungskräfte waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Den Sachschaden schätzt der Polizeisprecher auf rund eine halbe Million Franken.

Lokführer machten keinen Fehler

Für ganz genaue Aussagen zur Unfallursache sei es zwar noch zu früh, sagte Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahnen und Schiffe bei der Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST), gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Noch seien Befragungen zu führen.

Fest stehe jedoch mittlerweile, dass die beiden Lokomotivführer des Dampfzuges keinen Fehler gemacht und grünes Licht gehabt hätten. Hingegen sei der Schotterwagen an einem falschen Ort abgestellt worden und habe dadurch die freie Fahrt des Zuges behindert.

Bei der SUST geht man davon aus, dass Mitte Woche gesicherte Erkenntnisse vorliegen; beispielsweise darüber, weshalb der Schotterwagen am falschen Ort stand. Bis der Schlussbericht erscheint, können noch Monate vergehen.

Grosse Betroffenheit bei Bahn-Freunden

Zumindest für den hohen Sachschaden hat Fritz Bernhauser, der am Sonntagmittag am Unfallort war, eine mögliche Erklärung: «Dieser ist entstanden, weil sich der Personenwagen durch den Aufprall über die zwei Pufferteller des Dampftriebwagens hinweg in dessen Hinterteil geschoben hat.» Der 70-Jährige war 18 Jahre lang Mitarbeiter des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich und ist nach eigenen Angaben in Bahnen vernarrt.

Auch Marianne Christen (44) und ihr Freund Peter Vollmer (63) sind Nostalgie-Bahn-Liebhaber aus tiefstem Herzen: «Mit einer Dampflokomotive zu fahren ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art.» Die beiden waren zwar nicht auf der Fonduefahrt dabei, sie besichtigten den beschädigten Zug am Sonntag aber aus Betroffenheit. Für Vollmer ist der Schaden am Dampftriebwagen besonders schmerzlich: «An diesem habe ich selbst schon einmal zu Reparaturzwecken Hand angelegt.»

Als Folge des Unfalls war die Strecke zwischen Zug und Thalwil ab dem späten Samstagabend nur beschränkt befahrbar. Es kam zu Verspätungen von rund 20 Minuten.

Private Fahrten in Randzeiten

Laut SBB sind private Vereine mit ihren Zügen vor allem in Randzeiten und am Wochenende auf dem Netz der SBB unterwegs. Besitzen die Vereine eine Betriebsbewilligung vom Bundesamt für Verkehr, können sie bei der SBB Fahrten buchen.

«Es wird dann ein Fahrplan ausgearbeitet», sage SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage der sda. Im vorliegenden Fall sei diesbezüglich alles in Ordnung gewesen.

Der Nostalgiezug vor dem Unfall:

Der Nostalgiezug vor dem Unfall:

(chi/rad/sda)

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