Höhe der Türme war auch in Luzern umstritten

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Zürcher Hardturm-ProjektHöhe der Türme war auch in Luzern umstritten

Die Stadion-Hochhäuser in Luzern sollten anfänglich bis zu 134 Meter hoch werden – gebaut wurden sie einiges niedriger. Wäre das beim Zürcher Hardturm-Projekt auch denkbar?

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So soll das Hardturm-Areal in Zürich dereinst aussehen. Bereits jetzt umstritten ist die Höhe der beiden Hochhäuser. Sie beträgt 137 Meter.
Auch in Luzern gab die Höhe der beiden dortigen Stadion-Hochhäuser zu reden. Anfänglich sollten sie bis zu 134 Meter hoch werden.
Die Jury des Luzerner Stadion-Wettbewerbs taxierte sie jedoch als zu hoch. Schliesslich wurden sie mit 77 und 88 Metern Höhe gebaut.
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So soll das Hardturm-Areal in Zürich dereinst aussehen. Bereits jetzt umstritten ist die Höhe der beiden Hochhäuser. Sie beträgt 137 Meter.

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Egal, wen man in Zürich fragt, das neue Hardturm-Projekt findet meist Anklang – bis auf die Höhe der beiden Hochhäuser: 137 Meter. Politiker von links bis rechts reagieren skeptisch. «Passt das ins Quartier?»,«sehr massiv» oder «Grosse Diskussionen um den Schattenwurf sind jetzt schon sicher» heisst es.

Diskussionen über Stadion-Hochhäuser gab es vor neun Jahren auch in Luzern. Das dortige Siegerprojekt sah ebenfalls zwei Hochhäuser mit bis zu 134 Metern Höhe vor – also nur drei Meter weniger als beim Hardturm. Die Bauherrschaft begründete die Höhe wie folgt: Nur so könne man genügend Wohnungen unterbringen, die das Stadion querfinanzieren.

Doch die Luzerner Jury taxierte die Türme als zu hoch und so musste die Bauherrschaft – Investor waren wie in Zürich Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse – über die Bücher. Mit dem Resultat, dass die Hochhäuser nur 77 und 88 Meter hoch gebaut wurden. Um dennoch genügend Wohnungen unterbringen zu können, minimierte man etwa die regulären Geschosshöhen.

Killerargument Pilatus-Blick

«Es gab sehr emotionale Debatten und Podien wegen der Hochhäuser», erinnert sich der damalige Luzerner Stadtarchitekt Jean-Pierre Deville. So liess die Stadt beispielsweise Ballone steigen, um die Höhe anzuzeigen – das taten auch die Gegner, aber teils an Standorten, von wo aus die Türme gar nicht zu sehen gewesen wären – zum Ärger der Befürworter. Und dann gab es das Killerargument der Gegner: Die Türme würden beim Spazieren den Blick auf den geliebten Pilatus versperren.

Trotzdem sagten am 24. Februar 2008 doch 54 Prozent der Stadtluzerner Ja zum Stadion mit Hochhäusern und Hallenbad. Einzig das Standort-Quartier Sternmatt lehnte es ab. Allerdings kaum wegen des Schattenwurfs – dieser tangiert nur die Sportanlagen. 2009 fuhren Bagger und Kräne auf, drei Jahre später rollte der Fussball und die Bewohner zogen ein.

«Keine scharfen Kanten»

So weit ist man in Zürich noch lange nicht – die Bauherrschaft HRS Investment AG wird das Siegerprojekt nun überarbeiten. Im Unterschied zu Luzern hat die Zürcher Jury die Höhe von 137 Metern nicht kritisiert. Wie kommt es überhaupt zu dieser Höhe? Und: Ginge es auch niedriger, falls sich das Stadtparlament querstellen sollte? Eine HRS-Sprecherin beantwortet diese Fragen mit folgendem Satz: «Die zwei Türme stehen mit ihrer Höhe in architektonischem Kontext zu ihrer Umgebung und gliedern sich in das bestehende Stadtbild Zürichs ein.»

In Luzern jedenfalls gehören die Allmend-Hochhäuser längst zum Stadtbild. Der mittlerweile pensionierte Stadtarchitekt Deville ist heute noch voll des Lobes über die Architektur: «Sie haben keine scharfen Kanten und die goldig-blaue Glas-Metall-Fassade nimmt alle Wetterstimmungen auf», sagt er. «Im Nachhinein muss ich allerdings gestehen: Ein paar Stockwerke mehr hätten die Türme schon vertragen – sie kämen dadurch etwas eleganter daher.»

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