ZürichMobimo darf Labitzke-Areal räumen
Die Besetzer des Labitzke-Areals in Zürich-Altstetten müssen ausziehen. Sie sind mit ihrer Berufung vor dem Obergericht abgeblitzt. Wann geräumt wird, ist noch unklar.
Das Zürcher Obergericht lehnt die Berufung der Besetzer der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke in Altsetten gegen die vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses ab, wie es am Donnerstag mitteilte. Das Vertragsverhältnis sei Ende 2013 abgelaufen und nicht erstreckt worden.
Die Berufung werde abgelehnt und das Urteil des Bezirksgerichts bestätigt, heisst es im Entscheid des Obergerichts. Die Vorinstanz hatte im Februar den Ausweisungsantrag der Mobimo AG gegen eine letzte noch auf dem Labitzke-Areal verbliebene Mietpartei gutgeheissen.
«Wir haben nichts anderes erwartet»
Die Besetzer hatten daraufhin geltend gemacht, dass das Gericht den Antrag gutgeheissen habe, obwohl die Mobimo AG noch keine Baubewilligung für ihr Neubauprojekt beantragt habe. Eine vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses widerspreche «dem Geist der gängigen Rechtspraxis in der Stadt Zürich, Leerstände und Brachen zu vermeiden».
Man habe vom positiven Entscheid des Obergerichts Kenntnis genommen, hiess es bei der Mobimo AG auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Wir haben nichts anderes erwartet», sagte Pressesprecherin Christine Hug. Über das weitere Vorgehen in Bezug auf die Räumung des Areals könne sie zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts sagen.
Baueingabe in zwei Wochen
Gemäss Hug will die Mobimo AG in rund zwei Wochen die Baueingabe machen. Das Immobilienunternehmen will Ende Jahr mit der Überbauung beginnen. Auf dem Gelände sollen acht Häuser mit 245 Wohnungen entstehen. Zudem sind Flächen für Gewerbe und Läden sowie zwei Cafés vorgesehen.
Das Bauprojekt der Immobilienfirma sei ohne Baubewilligung nichts als heisse Luft und ein Baubeginn liege noch in weiter Ferne, hatten die Labitzke-Bewohner argumentiert. Sie sind die letzten auf dem Gelände verbliebenen Mieter. Zwei weitere reguläre Mietparteien waren Ende Februar ausgezogen.
Bei den bereits freigewordenen Gebäuden hat die Mobimo AG bereits mit den Abbrucharbeiten begonnen. Das Labitzke-Areal wird seit Jahren besetzt und dient als Labor für eines der grössten Kultur- und Wohnexperimente in der Stadt Zürich.
Besetzer schweigen «aus taktischen Gründen»
Die Besetzer wollen aus «taktischen Gründen» zurzeit keine Auskunft geben, wie sie auf ihrer Website mitteilen – dies im Hinblick auf weitere laufende Rechtsbegehren und die Schlichtungsverhandlung vom kommenden Montag vor dem Bezirksgericht.
Die verbleibenden Mieterinnen und Mieter sind gemäss dieser Mitteilung nach wie vor dezidiert gegen den von Mobimo geplanten «Abriss auf Vorrat» und schreiben: «Wir verlangen mit Nachdruck, dass die Mobimo erst einmal die fehlende Baubewilligung einholt, bevor sie die Gebäude zerstört, in denen wir leben.»