Prostituierte sollen Businessplan abgeben

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Kanton ZürichProstituierte sollen Businessplan abgeben

Auch Zürcher Prostituierte müssen nun Businesspläne erstellen - so will es der Kanton. Die Stadt weiss davon nichts.

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Zürcher Prostituierte aus Rumänien und Bulgarien müssen nun einen Businessplan vorlegen.

Zürcher Prostituierte aus Rumänien und Bulgarien müssen nun einen Businessplan vorlegen.

Erst wenige Kantone folgen der umstrittenen Empfehlung des Bundes, von Sexworkerinnen Businesspläne einzufordern – neu gehört auch der Kanton Zürich dazu. Wie Marc-Aurel Schmid vom Migrationsamt gegenüber der «NZZ am Sonntag» bestätigte, müssen Prostituierte aus Rumänien und Bulgarien nun einen Businessplan vorlegen, «wenn die ausgeübte Tätigkeit aufgrund der Angaben der gesuchstellenden Person nicht eindeutig feststeht». Die Pläne seien allerdings nicht sehr detailliert und beschreiben beispielsweise die sexuellen Dienstleistungen nicht näher. «Ausgewiesen werden müssen der Umsatz, die Anzahl Kunden pro Tag und der Preis», so Schmid.

Bei der Stadt Zürich ist man überrascht über die Regelung: «Ich habe es ebenfalls aus der Zeitung erfahren», so Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements. Im Mai sagte er noch, dass Frauen, die auf dem Strassenstrich arbeiten, nicht in der Lage seien, einen Businessplan zu erstellen. «Für mich gilt diese Aussage weiterhin», so Casanova. Man müsse diese Thematik nun intern besprechen.

Bereits 2009 hatte Bern Businesspläne für Sexarbeiterinnen eingeführt – mit gemischter Bilanz. So kritisiert die Beratungsstelle Xenia, das Modell habe die dortigen Sexarbeiterinnen vermehrt in die illegale Prostitution getrieben, weil sie keine Bewilligung erhielten. Zudem sei die Unabhängigkeit der Frauen auch durch den Businessplan nicht gewährleistet. Die Zuhälter würden oftmals trotzdem einen Gewinn kassieren.

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