Familiendrama in Zürich-Albisrieden«Es waren schreckliche Bilder für Einsatzkräfte»
In der Nacht auf Freitag kam es in Zürich-Albisrieden zu einem Familiendrama. Der Vater ist tot, die Mutter und beide Söhne schwer verletzt.
Eine Nachbarin erzählt von der schrecklichen Nacht. (Video: Jennifer Furer/ced)
Kurz vor 1 Uhr meldeten mehrere Anrufer der Notrufzentrale der Stadtpolizei, dass in einem Mehrfamilienhaus in Zürich-Albisrieden Leute um Hilfe schreien. «Ich habe durch den Spion ins Treppenhaus geschaut. Dort standen Menschen voller Blut. Auch im Treppenhaus war alles voller Blut», sagt Nachbarin Lumduan Leeb. «Ich habe mich nicht getraut, die Türe zu öffnen.»
Die sofort ausgerückten Einsatzkräfte der Stadt- und Kantonspolizei Zürich trafen im Haus auf vier schwerst verletzte Personen. Alle wiesen Schnitt- und Stichwunden auf. «Es waren für alle Einsatzkräfte belastende und schreckliche Bilder», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Zürcher Stadtpolizei zum «Tages-Anzeiger».
Für den 52-jährigen Vater M.L.* kam jede Hilfe zu spät, er verstarb noch vor Ort. Die 54-jährige Ehefrau sowie die beiden 24- und 27-jährigen Söhne wurden umgehend ins Spital gebracht.
Mutter und jüngerer Bruder lebensgefährlich verletzt
Gemäss jetzigen Erkenntnissen der Polizei und Staatsanwaltschaft kam es zuvor offenbar in der Wohnung zu einer heftigen Auseinandersetzung, die schliesslich ausser Kontrolle geriet und eskalierte. In der Folge wurde mindestens eine Stichwaffe eingesetzt. Dabei wurde der Vater so schwer verletzt, dass er vor Ort verstarb.
Die Mutter und der jüngere Sohn mussten mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Spital gebracht werden. Der 27-jährige Sohn T.L.*, der ebenfalls lebensgefährliche Verletzungen aufwies, wurde unter dringendem Tatverdacht verhaftet.
Nicht der erste Streit
Die Hintergründe und des Motiv der Tat sind bislang unklar. Lumduan Leeb jedoch sagt, dass es nicht das erste Mal gewesen sei, dass in der Wohnung Streit ausgebrochen sei. «Beim Vorbeigehen an ihrer Tür habe ich manchmal laute, aggressive Stimmen gehört», so die Nachbarin. Dass es aber so weit kommen konnte, hätte sie nie geglaubt.
Bei der Familie handelt es sich um Schweizer. Sie wohnen schon lange in der Genossenschaftswohnung. Der Vater arbeitete beim Tiefbauamt der Stadt Zürich. In seiner Freizeit war er begeisterter Angler, wie Bilder auf seinem Facebook-Profil zeigen. Die Mutter war Hausfrau, ging aber in einem der nahen Schulhäuser putzen. Einige Nachbarn sprechen von einer einfachen und «gschaffigen» Familie, andere aber auch, dass sie einen etwas komischen Eindruck hinterlassen hätte, heisst es im «Tages-Anzeiger» weiter.
*Name der Redaktion bekannt