Für die ChorprobeSpender gesucht, damit Flüchtlinge singen können
Der Flüchtlingschor probt in Zürich wöchentlich – die die Zugfahrt dorthin können sich aber viele nicht leisten. Dank Crowdfunding sind nun einige Billette finanziert, doch das reicht nicht.
Mit einem solchen Andrang hätten die Organisatoren des Stadtzürcher Flüchtlingschors nicht gerechnet. «Auf einmal standen 46 Flüchtlinge da, die aus dem ganzen Kanton zu uns gekommen sind», sagt der Mitinitiant Silvan Groher. Nun, kurz nach Gründung des Chors am 19. September, wollen über 50 Flüchtlinge und 40 weitere Sänger zu den Proben kommen, die jeweils am Montag stattfinden.
Bald wurde allerdings deutlich, dass es ein grosses Transportproblem gab: «Viele der Sänger kommen aus Winterthur oder der Umgebung von Zürich. Ein Bahnticket kostet von dort schnell mehr als 30 Franken. Das können sich Flüchtlinge einfach nicht einmal pro Woche leisten», so Groher. Deshalb hätten sich die Organisatoren mit dem ZVV in Verbindung gesetzt. «Dort sind wir aber nur auf verschlossene Türen gestossen», sagt Groher.
Mit Crowdfunding zum Halbtax
Doch der Chor unter der Leitung des ehemaligen Star-Tenors Chirstoph Homberger wollte sich davon nicht unterkriegen lassen. Kurzerhand wurde ein Crowdfundingprojekt auf wemakeit.com gestartet, dass es den Flüchtlingen zumindest einige Male erlauben sollte, die Reise zur Chorprobe anzutreten. «Wir haben 4000 Franken als Ziel gesetzt und innerhalb von 24 Stunden war diese Summe zusammengekommen. Es war unglaublich», berichtet Groher.
Mittlerweile sind über 16'000 Franken für das Projekt gespendet worden. Zwei Tage bleiben noch übrig. «Wenn wir es auf 30'000 Franken schaffen, könnten wir unseren Sängern für das nächste halbe Jahr ein Halbtax-Abo finanzieren», sagt Groher. Dies wäre grossartig, denn die Chorproben seien für die Flüchtlinge ein wichtiger sozialer Anlass.
Aufruf zur Hilfe
Um dem Projekt einen letzten Anstoss zu geben, organisieren Groher und die Initianten des Chors am kommenden Montag einen Aufruf an alle Reisenden im öffentlichen Verkehr. Die Idee ist einfach: Jeder der ein Halbtax-Abonnement besitzt, wird dazu aufgefordert, an diesem Tag die Differenz zum Normalpreis eines Billets, das er sowieso gekauft hätte, an wemakeit.com zu spenden, um den Flüchtlingen den Erwerb eines Halbtax-Abos zu ermöglichen.
«Weder die Politik noch der Staat scheinen ein Interesse daran zu haben, dass sich die Flüchtlinge integrieren können», sagt Groher. Oft sässen diese nämlich in irgendeiner kleinen Zürcher Gemeinde auf dem Land fest und könnten es sich nicht leisten, mit dem öffentlichen Verkehr zu fahren. «Ausserdem gibt es viele tolle Angebote, wie beispielsweise Gratiseintritte in den Zoo. Nur können sie diese nicht nutzen, weil sie den Transport nicht finanzieren können», so Groher.
Er hoff nun, dass der Chor weiterhin proben kann. Ende März 2016 wird dieser schliesslich zum ersten Mal ein grosses Konzert geben. «Dort werden wir englische aber auch Schweizer Lieder wie ‹Sisch äbe ne ä Mönsch uf Ärde> singen», sagt Groher.