ZürichZwitter planen Demo – und bangen um Bewilligung
Eine Gruppe will vor dem Zürcher Kantonsrat für die Rechte von Intersex-Menschen demonstrieren. Die Stadtpolizei zögert mit der Bewilligung – die Gruppe ist empört.
Im Volksmund werden sie Zwitter genannt: Intersex-Menschen, deren Geschlechtsteile nicht eindeutig jenen eines Jungen oder Mädchens zugeordnet werden können. In der Schweiz werden diese Kinder oft noch kurz nach der Geburt operiert – dagegen setzt sich die Organisation Zwischengeschlecht.org ein. Für den nächsten Montag planen sie eine Mahnwache vor dem Rathaus, um den Kantonsrat, der dann in dem Gebäude tagt, auf das Thema aufmerksam zu machen.
Eigentlich soll es eine friedliche Demonstration werden, verspricht Markus Bauer, Gründungsmitglied der Organisation Zwischengeschlecht.org. Doch schon im Vorfeld gebe es Probleme: «Wir befürchten, dass uns die Stadtpolizei keine Bewilligung erteilt.» Jedenfalls zögere sie schon seit längerem.
«Wir sind fünf Menschen mit Plakaten»
Laut Stapo-Sprecherin Judith Hödl muss der Fall tatsächlich erst noch genauer untersucht werden, bevor der Polizeivorsteher eine Entscheidung fällen kann. Für einen definitiven Entschluss sei es im Augenblick noch zu früh. Erst müsse die Örtlichkeit abgeklärt und die Sicherheit für alle Beteiligten gewährleistet werden.
Bauer findet das unerhört: «Wir sind fünf Menschen mit Plakaten und Flyern. Was ist daran denn schon gefährlich?» Auch von der Idee, die Mahnwache um die Ecke auf den Taxistandplatz oder an einen anderen Standort zu verlegen, hält er nicht viel. «Schliesslich wollen wir von den Kantonsräten gesehen werden, das ist ja der Zweck der Sache», sagt Bauer. «Wir hoffen sehr, dass uns die Polizei doch noch dabei unterstützt.»
Operation sei «Genitalverstümmelung»
Die Menschenrechtsgruppe setzt sich bereits seit Jahren für die Rechte jener Menschen ein, die mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurden. «Eltern, die ein Intersex-Kind bekommen, sind damit oft überfordert.» Deshalb komme es meist zur Operation. Diese ist in Bauers Augen aber eine Gräueltat: «Dabei handelt es sich um nichts anderes als Genitalverstümmelung. So etwas sollte nicht legal sein.»
Die Organisation fordert daher, dass solche Eingriffe nur im Falle einer akuten Gefährdung der Gesundheit des Kindes durchgeführt werden dürfen. «Ein Mensch soll später einmal selbst entscheiden können, ob er die Operation auf sich nehmen will oder nicht», so Bauer.
Die Diskussion um das Thema Intersexualität ist in der Schweiz nicht neu. Die Ethikkommission Humanmedizin hat bereits im Jahr 2012 die Empfehlung abgegeben, dass erst erwachsene Menschen selbst entscheiden sollten, ob sie eine geschlechtsverändernde Operation in Erwägung ziehen, falls im Kindesalter keine gravierenden Gesundheitsprobleme drohten.