Marsch durch BernFCB-Fans griffen in Bern Journalisten an
Zum Saisonauftakt kam es am Samstag in Bern zu unschönen Szenen. Beim Umzug von FCB-Fans durch die Innenstadt griffen Hooligans mehrere Journalisten an. Nicht zum ersten Mal.

Gewaltbereite Fans des FC Basel am Samstag in Bern: Der Hooligan mit der schwarz-weiss karierten Sturmmaske soll einen Radiojournalisten angegriffen haben.
Beim Marsch von Anhängern des FC Basel (FCB) durch die Innenstadt von Bern am Samstag kam es zu gewaltsamen Szenen. FCB-Hooligans bedrohten Journalisten und griffen sie teilweise an. Beim Stadttheater attackierten mehrere FCB-Anhänger einen Zeitungsjournalisten mit Kamera. «Sie haben versucht, mich zu schlagen und mir die Kamera zu entwenden», sagt dieser zu 20 Minuten Online. Der Journalist konnte ausweichen und sich zu einem Gartenrestaurant nebenan flüchten, worauf die Hooligans von ihm abliessen. Beim Handgemenge verstauchten ihm die Angreifer den Finger. Der Journalist, der anonym bleiben will, überlegt sich nun, ob er Anzeige einreichen soll.
Ebenfalls körperlich angegriffen wurde ein Journalist des Westschweizer Radios RSR, der für eine Reportage Originalton sammelte. Er wurde in der Nähe des Viktoriaplatzes von FCB-Anhängern gestossen und sein Aufnahmegerät entwendet. Rund eine Stunde später fand er das Gerät völlig zerstört in der Nähe, wie der Radiojournalist zu 20 Minuten Online sagt. Der Haupttäter, den er zuvor fotografiert hatte, war mit einer schwarz-weiss karierten Sturmmaske vermummt und sprach gut französisch. Der Journalist will am Montag Anzeige einreichen.
Bedroht wurde auch eine Videojournalistin von Tele Bärn. Am Bahnhof sei ein FCB-Hooligan an sie herangetreten und habe sie aufgefordert, die Aufnahmen zu löschen. Zudem habe er ihr gedroht, falls sie den Fanzug weiterhin filme. Das habe sie in der Altstadt von Bern dennoch getan. Als die gleiche Person sie erneut entdeckt hatte und auf sie zukam, rannte die Videojournalistin davon, wie sie sagt. «Danach habe ich das Filmen bleiben lassen.»
Bereits im April Drohungen
Zu solchen Vorfällen kam es am Samstag nicht zum ersten Mal. Bereits im April, als die FCB-Fans erstmals einen Marsch durch die Innenstadt erzwangen, wurden Fotografen bedroht. Damals forderten FCB-Anhänger mehrere Fotografen unter Drohung auf, ihre Speicherkarten zu löschen. Er habe ein Übersichtbild auch einiger Entfernung machen wollen, erzählt ein Agenturfotograf, da sei plötzlich ein muskulöser Kerl neben ihm gestanden. «Er sagte mir, entweder würde ich die Speicherkarte formatiere oder es gebe Schläge.» Der Fotograf sei der Aufforderung nachgekommen.
Gewalt und Drohungen insbesondere gegen Fotografen scheint bei den Basler Fans systematisch zu sein. So schildern mehrere Betroffene, dass eigentliche Späher dem Fanzug vorausgingen. Diese hielten Ausschau nach Fotografen - teilweise auch filmende Passanten oder Touristen - und würden diese bedrohen. Der Vorfall im April gab dem Agenturfotografen zu denken. «Ich wurde vorher in meiner langen Zeit als Fotograf noch nie bedroht.»
Der Polizei Bern sind Vorfälle bekannt, in die Journalisten involviert waren, wie Sprecherin Daniela Sigrist sagt. «Unsere Leute haben den Betroffenen geraten, Anzeige zu erstatten.» Bisher sei aber noch keine eingegangen.
Einsatz von Gummischrot
Die Polizei Bern zieht denn auch keine positive Bilanz des FCB-Marsches. Zwar hat es laut Sigrist keine massiven Sachbeschädigungen gegeben. Aber es kam zu Verkehrsbehinderungen und Klagen der Anwohner. Nach dem Spiel musste die Polizei zudem Gummischrot einsetzen, als Polizisten in der Nähe des Bahnhofs Wankdorf angegriffen wurden. Der SBB liegen keine Meldungen über gravierende Schäden am Extrazug vor.