«Pole Position» mit Peter HaabDie Schweiz hat wieder einen Formel-1-Piloten
Das Toro-Rosso-Team mit Sitz im italienischen Faenza hat es offiziell zwar noch nicht bestätigt. Aber in der Formel-1-Saison 2009 wird mit dem 20-jährigen Sébastien Buemi erstmals seit 14 Jahren wieder ein Schweizer am Start sein.
In den nächsten zehn Tagen dürfte das Toro-Rosso-Team, das je zur Hälfte dem früheren Formel-1-Piloten Gerhard Berger und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz gehört, die Fahrerpaarung für 2009 bekannt geben. Die Idee dahinter: Die letzten Testfahrten im Dezember vor der Weihnachtspause sollen jene Piloten bestreiten, die in der kommenden Saison im Auto sitzen. Der aus dem waadtländischen Aigle stammende, offiziell aber in Bahrain wohnhafte Sébastien Buemi, ist laut seriösen Quellen bereits gesetzt. Die Frage dreht sich jetzt nur noch darum, ob neben dem 20-jährigen Westschweizer der bisherige französische Stammpilot Sébastien Bourdais oder neu der 31-jährige Japaner Takuma Sato ein Cockpit kriegt.
Endlich am Ziel
Sébastien Buemi ist anfangs dieser Woche in Barcelona drei Tage lang fehlerlos gefahren und hat die Toro-Rosso-Ingenieure sowohl mit guten Rundenzeiten wie auch mit methodischer Abstimmungsarbeit überzeugt. Somit hat er sein Meisterstück abgeliefert und sich seinen Sitz für 2009 gesichert. Wegen seiner Zugehörigkeit zum Red-Bull-Förderungs-Programm gilt der talentierte Westschweizer schon seit längerer Zeit als logischer Kandidat für die Nachfolge von Monza-GP-Sieger Sebastian Vettel, der 2009 von Toro Rosso zum Red-Bull-Team wechselt.
Wer wird der zweite Fahrer?
Doch warum wartet Toro Rosso so lange mit der Bestätigung von Sébastien Buemi? Ganz einfach deshalb, weil die Frage des zweiten Cockpits noch nicht endgültig geklärt ist. Die Toro-Rosso-Teamleitung will so lange warten, bis sie beide Piloten für 2009 gleichzeitig bekannt geben kann. Vom Leistungsvermögen her gibt es zwischen Sébastien Bourdais und Takuma Sato praktisch keinen Unterschied. Das Problem liegt anderswo: Toro Rosso ist für die Saison 2009 noch ungenügend finanziert. Und in Zeiten der weltweiten Finanzkrise sind Sponsoren-Gelder nicht mehr so leicht aufzutreiben wie auch schon. Deshalb ist zum jetzigen Zeitpunkt für den zweiten Sitz im Toro Rosso Takuma Sato zu favorisieren. Aus zwei Gründen: Erstens scheint der 31-jährige Japaner finanzstarke Geldgeber in der Hinterhand zu haben, die ihn zu Toro Rosso begleiten würden. Und zweitens ist Japan für Energy-Drink-Hersteller Red Bull ein äusserst interessanter Markt.
Der Kolumnist
Motorsport-Experte Peter Haab gibt für 20 Minuten Online sein Insiderwissen preis und kommentiert oder erklärt die aktuellen Vorkommnisse der Formel-1-Szene treffend und spannend.