Machtwechsel im Juni?Rückzug der FCB-Führung um Präsident Heusler naht
Medienunternehmer Bernhard Burgener soll Basel-Präsident Bernhard Heusler beerben – und Marco Streller Sportdirektor werden.
FCB-Präsident Bernhard Heusler plant die Stabsübergabe. Wie 20 Minuten erfuhr, soll der neue Mann an der Spitze des Schweizer Aushängeschildes Bernhard Burgener heissen. Die aktuelle Führungscrew soll durch neue Köpfe ersetzt werden. Am Sonntag reagierte der FCB auf den Bericht von 20 Minuten und bestätigte in einem Communiqué, dass ein konkretes Konzept in Erarbeitung ist.
«Der FCB bestätigt, dass dieses Modell auch einen personellen Wechsel der Inhaberschaft und Clubleitung per Juni 2017 vorsieht», schreibt der Club in seiner Mitteilung. Heusler hat zuvor wiederholt betont, dass die aktuelle Clubleitung die Führung des operativen Geschäfts in guten Händen wissen wolle, wenn die Aktien zur Verfügung gestellt werden sollten. Nun hat eine Gruppe um Burgener ein Konzept in Aussicht gestellt, das massgeschneidert scheint für die Zukunft des Schweizer Vorzeigeclubs.
Mit dem FCB aufgewachsen
Burgener ist 1957 in Basel geboren und eine Grösse im internationalen Filmgeschäft. Mit 26 Jahren gründete er in Allschwil (BL) eine Videothek. Später baute er die börsenkotierte Highlight-Gruppe auf, zu der die Produktionsfirma Constantin Film gehört. Mit der Highlight-Tochter Team Holding AG vermarktet Burgener die Champions League und die Europa League. Zudem rettete er mit 3,5 Millionen Franken den Schweizer Film «Sennentuntschi», der am Zurich Film Festival Premiere feierte. Er produzierte zudem den Film «Das Parfum» von Patrick Süskind.
Rund 300 Meter neben dem Joggeli aufgewachsen, wurde Burgener die Liebe zu Rotblau sozusagen in die Wiege gelegt. In den 90er-Jahren war er schon drei Jahre im FCB-Vorstand tätig und half im Marketing aus. Mit Karli Odermatt ist der erfolgreiche, aber medienscheue Unternehmer heute noch freundschaftlich verbunden.
Der Lokalheld als wichtige Figur
Ein wichtiger Teil dieser neuen operativen Führung soll Marco Streller sein. Der Basler Ex-Captain, Urgestein und FCB-Aushängeschild schlechthin, ist im Konzept des neuen Mannes als Sportdirektor und Nachfolger von Georg Heitz vorgesehen.
Das Know-how hat sich der Lokalheld nach seiner erfolgreichen Aktiv-Karriere in diversen Bereichen quasi als Lehrling beim FCB geholt. Streller unterstützt die Abteilung Marketing, Verkauf und Business, vertritt den Club vor Sponsoren und Partnern, reist an die Europacup-Spiele, um das Ressort Internationale Beziehungen zu unterstützen, und sitzt in der Technischen Kommission, um der Clubleitung in Transferangelegenheiten beratend zur Seite zu stehen.
Neue Köpfe mit neuen Ideen
Die Übergabegedanken, die nun konkret werden, verriet Heusler schon an der letzten GV, an der er die Diskussion über die Zukunft des FCB anstiess, indem er den Mitgliedern Rechte bei der Entscheidung einräumte. Heusler betonte, dass es den FCB vor ihm gegeben habe und auch nach ihm geben wird. Es sei nicht sein Stil, mit dem Rücktritt zu kokettieren, so der FCB-Boss damals. Er sagte aber auch: «Wir in der Führung spüren, dass es in diesem Club einmal neue Köpfe mit neuen Ideen und neuen Reizen braucht.»
Ein 8-köpfiges, vom Vorstand unabhängiges Gremium, bestehend aus Vertretern des Vereins, der Fans, Sponsoren, Mitarbeiter und der Stiftung Nachwuchs Campus Basel, prüft das Konzept. Wie der FCB weiter schreibt, ist das Projekt so weit fortgeschritten, dass es dem Gremium im März 2017 unterbreitet werden kann.
Bei positivem Ergebnis soll an der ordentlichen GV am 9. Juni 2017 der Wechsel juristisch und operativ vollzogen werden. Das geplante Vorgehen soll einen reibungslosen Übergang von der alten zur neuen Führung im operativen Bereich ermöglichen, namentlich auch die Planung der neuen Saison.
Die Mitglieder reden mit
Der Verwaltungsrat der FC Basel 1893 AG erklärte sich an der letzten GV bereit, bei der Frage nach der Zukunft mit den 75 Prozent Aktienanteile, die er besitzt, dem Votum der 25 Prozent Aktienanteile, die beim Verein liegen, zu folgen, wenn es um die Weitergabe der 75 Prozent gehe. Einfacher gesagt: Ohne Zustimmung der Mitglieder kann sich niemand die Aktienmehrheit an der FC Basel 1893 AG sichern.
Per 31. Dezember 2015 hält Sportdirektor Georg Heitz 25 Prozent, Vizepräsident Adrian Knup 10 Prozent, und jeweils 5 Prozent halten die Verwaltungsräte Stephan Werthmüller (Finanzen) und René Kamm (Marketing). Von seinen ursprünglich 89,2 Prozent, die Bernhard Heusler 2012 von Ex-Präsidentin Gigi Oeri übernommen hatte, hält der FCB-Boss 44,2 Prozent. (ete)