Parkhaus-AffäreMarc Lüthi leidet am «Blocher-Syndrom»
SCB-General Marc Lüthi tritt als Vizepräsident des Nationalliga-Aufsichtsrates zurück. Aus Protest gegen die gegen ihn verhängte Busse von 2000 Franken.

Marc Lüthi hat seinem Ärger gegen einen Schiedsrichter freien Lauf gelassen und wurde dafür gebüsst. (Bild: Keystone)
Also doch: Der wohl erfolgreichste Sportmanager im Lande ist allmächtig. Es gibt in den Büros des SC Bern niemanden mehr, der Lust zur Widerrede hat oder es gar wagt, eine andere Meinung zu haben. Der Chef hat immer und überall recht. In solchen Situationen entsteht das «Blocher-Syndrom». Oder etwas böser: So entwickelt sich Grössenwahn.
Anders ist Lüthis Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der Nationalliga aus Protest gegen die Busse von Einzelrichter Reto Steinmann nicht zu erklären. Diese Busse von 2000 Franken ist nämlich viel zu niedrig. Wenn sich der erfolgreiche Manager des mächtigsten Hockeyunternehmens im Land einen Lausbubenstreich gegen die Schiedsrichter erlaubt, verdient er mindestens 5000 Franken Busse und sollte zusätzlich für drei bis fünf Spiele aus dem Stadion verbannt werden.
Parkhaustickets eingezogen
Den Lausbubenstreich hat sich Lüthi am 11. Januar im Rahmen des Spiels gegen Servette (4:2) geleistet. Aus Verärgerung über die Schiedsrichterleistung liess er den Unparteiischen (die Heads Karel Popovic und Didier Massy) die Ausfahrtstickets für die Tiefgarage wieder abnehmen und es gab kein Nachtessen. Massy sagt, man habe noch auf den Knien in der Schirikabine nach den Ausfahrtstickets gesucht, weil man sie auf dem Tisch nicht mehr gefunden habe.
Man sei dann ohne Ausfahrtstickets aus der Tiefgarage gekommen. Der Parkhauswärter habe gnädigerweise die Barriere geöffnet. Zu einem Strafverfahren gegen Lüthi war es nur deshalb gekommen, weil Lüthi mit seiner Schiri-Strafkation mehrmals geprahlt hatte und Einzelrichter Reto Steinmann schliesslich eingreifen musste (20 Minuten Online berichtete).
Nur eine Provokation
Lüthis Rücktritt ist dumm und lächerlich. Lächerlich deshalb, weil der Aufsichtsrat der Nationalliga ohnehin durch die Hockeyreform bald aufgelöst wird und keinerlei Bedeutung mehr hat. Dumm, weil der SCB-Manager damit die mächtigste Sportmafia noch mehr provoziert.
Die Schiedsrichter bilden diese Mafia. Die Unparteiischen sind überall unbeliebt und deshalb halten sie zusammen und wissen sich zu wehren. Offside ist nicht, wenn einer meterweit im Offside steht. Sondern wenn der Schiedsrichter pfeift. Ein Tor zählt nicht, wenn der Puck regulär im Tor liegt. Sondern erst dann, wenn der Schiedsrichter das Tor anerkennt.
Mit seiner Arroganz und seiner kindischen Reaktion auf die wohlverdiente, milde Busse hat Lüthi die «Schiedsrichter-Mafia» gegen den SCB eingeschworen.
Wie reagieren die Schiedsrichter?
Dabei hätte Lüthi genügend Zeit gehabt, bis zu den Playoffs Busse zu tun. Er müsste die Postfinance Arena in ein Märchenschloss für Schiedsrichter verwandeln. Weihrauch in die Garderobe blasen. Die Schiris in den Pausen von einer schönen Fachfrau massieren und nach dem Duschen mit flauschigen Tüchern abtrocknen, mit wohlriechenden Ölen einreiben und das Essen von einem livrierten Diener auf Porzellangeschirr und weissem Tischtuch servieren lassen. Die Frauen und Freundinnen der Unparteiischen müssten Lüthis persönliche Gäste in der VIP-Loge sein.
So wäre womöglich zu erreichen, dass auch mal ein Pfostenschuss als Tor gewertet wird. Torkamera hin oder her. Und dass Chris McSorley und Doug Shedden vollends durchdrehen. Aber nun darf sich Lüthi nicht wundern, wenn irgend einmal ein Unparteiischer mit wohligem Schauer eine Strafe gegen den SCB ausspricht, die keine ist und ein Tor annulliert, das eines ist.
Der Schaden bleibt beim SCB
Spass beiseite: Natürlich pfeifen die Schiris wegen Lüthis Kalberei nicht absichtlich gegen den SCB. Aber in jedem Spiel gibt es mindestens 20 Situationen, die so oder so beurteilt werden können. Deshalb tun kluge Manager alles, um die Schiedsrichter milde zu stimmen und unterlassen alles, was die Schiedsrichter verärgern könnte.
Vielleicht nimmt in den SCB-Büros einer sein Herz in beide Hände atmet tief durch und sagt seinem am «Blocher-Syndrom» leidenden Chef, dass er in diesem Fall wie ein Kindskopf gehandelt und dem SCB geschadet hat.