«Ich habe noch nie ein so fittes Team trainiert»

Aktualisiert

Beeindruckter Coach«Ich habe noch nie ein so fittes Team trainiert»

Bob Hartley (50) soll die ZSC Lions wieder zum Erfolg führen. Der Kanadier, der Colorado 2001 zum Stanley Cup coachte, erklärt, wie er dies zu tun gedenkt.

Marcel Allemann
von
Marcel Allemann
Bob Hartley ist zufrieden mit der Fitness der ZSC-Spieler.

Bob Hartley ist zufrieden mit der Fitness der ZSC-Spieler.

Bob Hartley, Sie sind seit zwei Wochen in Zürich. Welches sind Ihre ersten Eindrücke vom Klub und den Spielern?

Bob Hartley: Ich bin sehr beeindruckt. Die Voraussetzungen, unter denen ich hier arbeiten kann, sind fantastisch. Damit meine ich zum Beispiel die intensive Vorbereitung der Spieler im Sommer. Ich habe in meiner Karriere noch nie ein Team trainiert – auch nicht in der NHL – das so fit war wie diese Spieler hier. In dieser Mannschaft herrscht eine gute Mentalität. So bereitet es auch uns Trainern viel Spass. Wir haben so die Möglichkeit, mit den Spielern direkt am System und unserer Philosophie zu arbeiten.

Macht es für Sie einen Unterschied, auf dem Eis mit einem NLA-Team oder einem NHL-Team zu arbeiten?

Nein es ist die selbe Sache. Es ist überall eine Kombination aus Arbeit an der Kondition, am System und an den Details. Der einzige Unterschied ist, dass die Eisfläche hier grösser ist als in Nordamerika.

Sie waren im Eistraining sehr aktiv, korrigierten die Spieler oft und legten bereits sehr viel Wert auf Detailarbeit.

Ja, diese Details sind mir sehr wichtig. Vor allem im jetzigen Moment. Ich bin neu hier und will dem Team meine Vorstellungen vermitteln. Wäre ich bereits vier oder fünf Jahre hier und hätte nur zwei neue Spieler einzuführen, wäre das einfacher. Aber nun sind es 25 neue Spieler. Ich bin neu für sie, sie sind neu für mich, deshalb gilt es viel neuen Stoff zu verarbeiten. Aber das Team zieht sehr gut mit, die Spieler sind sehr willig und positiv eingestellt.

In der NHL kommuniziert der Headcoach kaum mit den Spielern. In der NLA ist die Kommunikation dagegen sehr wichtig. Haben Sie sich darauf eingestellt?

Überall wo ich war, war ich bekannt dafür, ein Coach zu sein, der viel kommuniziert. Es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass alle untereinander gut kommunizieren. Wenn man nicht miteinander spricht, dann kommt es so heraus, dass die Spieler denken, ich gehe in diese Richtung, dabei will ich in eine ganz andere Richtung. Das würde nie funktionieren. Wenn man miteinander kommuniziert, ist es für alle viel einfacher und auch klar.

Woran arbeiten Sie nun mit dem Team in diesen Tagen?

Letzte Woche haben wir viel an der Kondition gearbeitet und ein wenig am System. Am Dienstag haben wir nun erstmals ernsthafter das System ins Visier genommen, ab Mittwoch kommen dann schrittweise das Powerplay und Boxplay dazu. Wir nehmen schön Schritt für Schritt, es macht keinen Sinn zu viel auf einmal zu vermitteln, das würde höchstens für Verwirrung sorgen. Wenn die Spieler etwas gut umsetzen, dann nehmen wir am nächsten Tag das nächste Kapitel in Angriff. Insgesamt haben wir fünf Wochen Eistraining, bevor die Saison beginnt. Das ist viel Zeit.

Was möchten Sie in einem Monat von Ihrem Team sehen, wenn gegen den EV Zug das erste Meisterschaftsspiel ansteht?

Wir möchten dann auf jeden Fall bereit sein, aber grundsätzlich möchte ich während der ganzen Saison einen ZSC sehen, der jeden Tag besser wird – bis zum letzten Spiel unser Saison. Klar möchte ich dieses erste Spiel gewinnen und die Spieler genauso. Aber ich möchte auch, dass das zweite Spiel besser wird als das erste. Und das dritte Spiel besser als das zweite und so weiter. Dafür trainieren und arbeiten wir täglich.

Die letzte Saison war sehr schwierig für die ZSC Lions. Ist das für Sie noch ein Thema?

Über die Vergangenheit weiss ich nichts, deshalb ist diese für mich im Abfalleimer. Ich bin eine Person, die nicht zurückschaut, sondern stets nach vorne.

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