Der Klub der «toten» Trainer

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Der Klub der «toten» Trainer

Die ZSC Lions sind Schweizer Meister, zum dritten Mal seit 2000. Doch Trainer Harold Kreis verlässt den Klub, und auch für die beiden Vorgänger war es ein bitterer Titelgewinn. Wird der ZSC nur mit ungeliebten Trainern Meister?

Peter Blunschi
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Peter Blunschi

Einst sprach man vom «Hallenstadiongeist», der den Zürcher Schlittschuh-Club in den finsteren Jahren heimsuchte, in denen er als «Liftmannschaft» zwischen A- und B-Liga pendelte und des öfteren auch finanziell am Anschlag war. Dann kam 1997 die Fusion vom ZSC und GC, es entstanden die ZSC Lions, die vom ehemaligen SVP-Nationalrat und Autoimporteur Walter Frey auf ein solides Fundament gestellt wurden. Der Geist schien gebannt.

2000: Kent Ruhnke

Ein Trugschluss: Er nistete sich im Trainerbüro der «Halle» ein und plagte mit Vorliebe die erfolgreichen Übungsleiter. Es begann in der Saison 1999/2000. Die Lions hatten eine hochkarätige Mannschaft, die jedoch nur selten die hohen Ansprüche der Führung befriedigen konnte. Trainer Kent Ruhnke geriet immer mehr unter Druck, um den Jahreswechsel wurde heftig über seine Entlassung spekuliert. Doch dann ging ein Ruck durch die Mannschaft, sie siegte zweimal und rettete den Trainer vor dem Rauswurf.

Doch im Februar entschied CEO und Sportchef Simon Schenk, dass Ruhnkes Vertrag nicht verlängert wird. Trainer und Mannschaft reagierten mit einer Trotzreaktion: Sie stürmten durch die Playoffs und gewannen in einer denkwürdigen Finalserie gegen den HC Lugano den ersten Meistertitel für den ZSC seit 39 Jahren. Kent Ruhnke verbarg im Triumph seine Enttäuschung nicht: «Ich hätte einen besseren Abschied verdiente.»

2001: Larry Huras

Als Nachfolger kam Larry Huras ins Hallenstadion. Er hatte mit Ruhnke einiges gemeinsam: Er war Kanadier, hatte zuvor schon einmal den ZSC trainiert und war damals entlassen worden. Damit endeten die Gemeinsamkeiten: Während Kent Ruhnke die Mannschaft auf seiner Seite wusste, hatte Huras sie bald gegen sich. Vor allem die Schlüsselspieler um «Löwenkönig» Michel Zeiter opponierten gegen ihn. Seine Redseligkeit wurde ihm genauso vorgeworfen wie angeblich zu lasche Trainings und Fehler im Coaching.

Trotzdem konnten die Lions den Titel verteidigen – sie schlugen im Final erneut Lugano. Doch es war ein offenes Geheimnis, dass Huras bereits entmachtet war – das Sagen hatten Zeiter und Simon Schenk. Es galt als sicher, dass Larry Huras nicht mehr lange Trainer sein würde, und so kam es dann auch. Wenige Wochen nach Beginn der neuen Saison wurde der ungeliebte Meistertrainer entlassen. «Ich bin vom Umfeld bestimmt nicht so unterstützt worden, wie ich das erwartet habe», befand Huras und meinte in erster Linie Simon Schenk.

2008: Harold Kreis

Der neue Meistertrainer Harold Kreis erlebte faktisch ein «Déjà vu» der Causa Ruhnke. Zwei schwierige Jahre lang arbeitete der Deutschkanadier ruhig und beharrlich mit der Mannschaft und musste viele Rückschläge einstecken. In der laufenden Saison etwa gelang den ZSC Lions das Kunststück, zweimal gegen den inferioren EHC Basel zu verlieren. Damit verschafft man sich bei einer anspruchsvollen Klubführung keine Anerkennung, mehrfach wurde über die Entlassung von Kreis spekuliert. «Harry, fahr schon mal den Wagen vor!» titelte der «Blick» im Oktober in hämischer Anspielung auf die TV-Serie «Derrick».

Doch wie bei Kent Ruhnke war es die Mannschaft, die mit einer Leistungssteigerung den Kopf des Trainers aus der Schlinge zog. Und wie bei Ruhnke war es eine Rettung auf Zeit: Als Kreis im Februar ein Angebot der Düsseldorfer EG erhielt und die ZSC-Chefetage mit dem neuen CEO Peter Zahner partout nicht vor den Playoffs über einen neuen Vertrag reden wollte, ging der Trainer auf Nummer sicher. Er unterschrieb in Deutschland, obwohl er «gerne geblieben wäre», wie er zugab.

Und jetzt Sean Simpson?

Nach dem gestrigen Triumph gegen Genf-Servette müssen die ZSC Lions definitiv mit dem Ruf leben, ein Klub zu sein, bei dem man als Trainer zwar Meistertitel gewinnen und trotzdem nicht glücklich werden kann. Nach dem Titelgewinn von Kent Runke schrieb die «NZZ»: «Der Kanadier Larry Huras tritt in Oerlikon ein undankbar schweres Erbe an.» Gleiches lässt sich über den Nachfolger von Harold Kreis sagen: Sean Simpson kann sich im Hallenstadion auf einiges gefasst machen, der Geist wartet schon.

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