Langenthal will in die NLA aufsteigen

Aktualisiert

Kein Freilos für AmbriLangenthal will in die NLA aufsteigen

Auch ein NLB-Finalsieg des SC Langenthal sichert Ambri den Ligaerhalt nicht. Die Oberaargauer haben das Aufstiegsgesuch bei der Liga fristgerecht eingereicht.

Klaus Zaugg
von
Klaus Zaugg
Langenthal fehlt noch ein Sieg gegen Lausanne, um gegen Ambri um den Aufstieg kämpfen zu können. (Bild: Keystone)

Langenthal fehlt noch ein Sieg gegen Lausanne, um gegen Ambri um den Aufstieg kämpfen zu können. (Bild: Keystone)

Am Dienstag kommt hoher Besuch nach Langenthal. Liga-Präsident Marc Furrer und Liga-Manager Ueli Schwarz reisen mit dem NLB-Meisterpokal an. Mit einem Sieg über Lausanne kann Langenthal die NLB-Meisterschaft gewinnen. Furrer und Schwarz können jedoch Langenthals Präsident Stephan Anliker nicht sagen, ob er die Liga-Qualifikation gegen Ambri spielen und allenfalls sogar in die NLA aufsteigen darf. Das liegt an der kafkaesken Liga-Bürokratie.

Liga-Vizemanager Patrick Reber wehrt sich gegen diese Formulierung vehement und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wir halten uns lediglich an das Prozedere und die Fristen, die von den Klubs ganz demokratisch beschlossen worden sind.» Da hat er recht. Allerdings sind die Klubvertreter an den Liga-Versammlungen bei Reglementsfragen nicht immer richtig bei der Sache und segnen allerlei Unfug ab. Inzwischen beginnt sich jedoch Widerstand gegen das Lizenzierungs-Theater zu formieren. Unter anderem gehören HCD-Präsident Gaudenz F. Domenig und SCB-General Marc Lüthi zu den Befürwortern einer Abschaffung des ganzen Lizenz-Unfugs.

Aufstiegsgesuch eingereicht

Das Prozedere in der Aufstiegsfrage sieht vor, dass die sogenannte Lizenz-Kommission aufgrund eingereichter Unterlagen willkürlich entscheidet, ob ein Klub nach sportlich einwandfrei erkämpftem Aufstieg auch aufsteigen darf. Vor einem Jahr haben die Liga-Bürokraten den Huttwil Falcons im Rahmen dieses Verfahrens wegen Formfehlern den NLB-Aufstieg verweigert.

Diesen Fehler macht Langenthals Präsident Stephan Anliker nicht. Er ist der bessere Diplomat als Falcons-Besitzer Markus Bösiger. Er hat fristgerecht das Gesuch um einen Aufstieg in die NLA eingereicht. Aber einen Entscheid hat er noch nicht. Denn die Fristen sind so absurd gesetzt, dass es nicht möglich ist, vor dem NLB-Final über die Aufstiegsfähigkeit der beiden Finalisten zu entscheiden.

Mehr noch: Die Langenthaler müssen der Lizenz-Kommission diese Woche (!) noch weitere Unterlagen betreffend Finanzierung und Infrastruktur für ein NLA-Abenteuer nachreichen. Und gegen einen Entscheid der Lizenz-Kommission könnte der SC Langenthal dann Rekurs machen. Sollten die Langenthaler in der Liga-Qualifikation Ambri besiegen und den sportlichen Aufstieg schaffen, so könnte es bei Ablehnung des Aufstiegsgesuches und einem Rekurs bis Juni oder gar August dauern, bis klar ist, ob der SC Langenthal aufsteigen darf.

Liga-Qualifikation wird gespielt

Was die administrativen Wirren noch grösser macht: Die Langenthaler können, wenn sie NLB-Meister werden, das Aufstiegsgesuch vor der Liga-Qualifikation wieder zurückziehen und so Ambri zum kampflosen Ligaerhalt verhelfen. Gemäss Reglement müsste dann die Liga-Qualifikation trotzdem gespielt werden – aber ob in diesem Falle dem Reglement entsprochen würde, ist völlig offen. Liga-Vizemanager Patrick Reber sagt jedenfalls gegenüber 20 Minuten Online: «Sie können davon ausgehen, dass die Liga-Qualifikation auf jeden Fall gespielt wird.»

Die Frage, die Ambri auf der Zunge brennt, geht also an SCL-Präsident Stephan Anliker: Will der SC Langenthal aufsteigen? Er sagt, das werde erst nach dem NLB-Final entschieden. Er lässt sich vorher weder mit «Ja» noch mit «Nein» zitieren. Bei früheren Gelegenheiten hatte Langenthals Geschäftsführer Gian Kämpf einen Aufstieg ausgeschlossen. Doch inzwischen hat sich die Lage ob der unerwarteten Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft im NLB-Finale verändert. Langenthal rockt.

NLA-Aufstieg machbar, aber...

Inoffiziell ist der Entscheid gefallen: Sollten die Langenthaler die NLB gewinnen, dann wollen sie aufsteigen. Bereits im Frühjahr 2007 ist nach dem Qualifikationssieg unter Kultmanager Heinz Schlatter eine Studie über die Machbarkeit eines NLA-Aufstieges erstellt worden. Das Resultat damals: «Ja, aber.»

Stephan Anliker, seit der Rückkehr in die NLB 2002 im Amt, sagt es gegenüber 20 Minuten Online: «Im Mittelland gibt es über die Kantonsgrenzen hinweg das Potenzial für einen NLA-Eishockeyklub. Aber dieses Potenzial muss erst noch erschlossen werden und dafür braucht es Zeit. Wir sind noch nicht so weit, ideal wäre ein Aufstieg in ein paar Jahren. Es gibt aber auch die Kamikaze-Variante: Wir steigen sofort auf, geben so viel Geld aus, wie wir haben und vertrauen darauf, dass wir am Ende der Saison im schlimmsten Falle wieder dort stehen, wo wir das Abenteuer begonnen haben. In der NLB. Aber es weiss niemand, wie unsere Zuschauer und wir selbst auf eine Saison mit zu vielen Niederlagen reagieren würden.»

Nutzt Ambri den politischen Einfluss?

Die Lizenz-Kommission verlangt von den Langenthalern für die NLA eine Aufstockung des Budgets von jetzt rund 3,1 Millionen um mindestens zwei Millionen und infrastrukturelle Anpassungen. Allerdings ist die Forderung nach einer Budget-Aufstockung ohne jede Grundlage: Klubs in engen finanziellen Hosen pflegen die Zahlen beim Lizenz-Gesuch in dieser Rubrik frei zu erfinden und gehen immer straffrei aus: Die Lizenz-Kommission hat nämlich gegenüber den als Aktiengesellschaften konstituierten Klubs der Nationalliga keinerlei Rechtsgrundlage, um eine Einsicht in die Buchhaltung zu verlangen.

Stephan Anliker geht davon aus, dass sein Unternehmen im Falle eines Falles alle Bedingungen für einen NLA-Aufstieg erfüllen kann. Allerdings wäre dann der Aufstieg noch nicht bewilligt: Es könnte dann durchaus sein, dass Ambri durch seinen politischen Einfluss den Entscheid der Lizenz-Kommission zu beeinflussen versucht. Der SC Langenthal ist in der Nationalliga noch kein politisches Schwergewicht. Gerade bei der Aufstiegsverweigerung der Huttwil-Falcons vor einem Jahr war ein Trend gegenüber «kleinen» Klubs zu willkürlichen Entscheiden und politischer Einmischung nicht zu übersehen.

Keine Probleme, wenn Lausanne gewinnt

Gewinnt der HC Lausanne die NLB-Meisterschaft, ist alles klar: Der HC Lausanne erfüllt nicht nur alle Aufstiegskriterien (Finanzen, Infrastruktur). Der HC Lausanne ist auch ein NLA-Wunschkandidat der massgebenden politischen Kreise in der Liga. Für Ambri wird es damit so oder so schwer: Eine Liga-Qualifikation wird sowohl gegen Lausanne als auch gegen den SC Langenthal ein sportliches Himmelfahrtskommando. Und auf ein «Freilos» durch Aufstiegsverzicht im Falle eines NLB-Sieges von Langenthal kann Ambri nicht mehr bauen. Denkbar ist für die Leventiner bei einer Niederlage in der Liga-Qualifikation ein politischer Rettungsversuch über einen Aufstockungs-Antrag der NLA an die Liga-Versammlung. Das wäre allerdings nicht mehr als ein politischer Strohhalm.

Deine Meinung zählt